18. August 2017

„Aufgeklärter Protestant“ aus dem Norden beklagt sächsische Forderung nach „Bekenntnissynode“

Das verlorene Schaf. Foto: Ruth Rudolph/pixelio.de

Das verlorene Schaf. Foto: Ruth Rudolph/pixelio.de

„Es grüßt ein streitbarer Lutheraner und aufgeklärter Protestant aus dem lichten Norden ins finster erscheinende Sachsenland…“ Mit diesen Worten endet eine über diese Internetseite am 12. Juni eingegangene Mail eines gewissen „Thomas Weiss“ zum Beitrag „Evangelisationsteam lehnt sächsischen Landesbischof als geistlichen Leiter ab“. Das Evangelisationsteam der Evangelikalen Stiftung in Sachsen hatte in einer öffentlichen „Stellungnahme zur Öffnung der Pfarrhäuser für homosexuell lebende Pfarrer“ am 1. Juni erklärt, dass es „den Landesbischof, die Kirchenleitung und die Landessynode nicht mehr als geistliche Leitung“ der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens anerkenne.

„Als Mecklenburger Christ“ verfolge Weiß „die skandalösen Vorgänge“ in der sächsischen Landeskirche „mit großer Besorgnis und äußerstem Unverständnis“, wenn die „evangelikalen Kreise in Sachsen“ eine Bekenntnissynode verlangten. Um diese vorzubereiten, fehle aber den Unterzeichnern der Forderung „ein klarer Begriff“ des Glaubensbekenntnisses, so Weiß. So sollte seiner Ansicht nach nicht versucht werden,

„das eine Evangelium für ihr Unbehagen am Fortschritt unserer menschlichen und christlichen Gesellschaft zurecht zu biegen.“

Unangenehme Erfahrungen mit sächsischen Pietisten

Weiter führt der Mann aus dem Norden aus, dass „sein tiefes Misstrauen, das aus sehr unangenehmen Erfahrungen“ in seiner Jugend mit sächsischen Pietisten in seiner sachsen-anhaltinischen Heimat herrühre, „in den kirchenspalterischen Ambitionen der Protagonisten dieser `Bewegung` erneute Nahrung“ finde.

Weiß fordert das sächsische Evangelisationsteam um Pfarrer Dr. Theo Lehmann und den Evangelisten Lutz Scheufler auf, dass sie doch

„gelegentlich die Urtexte unseres Apostolischen oder auch des Nicänischen Glaubensbekenntnisses mit etwas wacherer Aufmerksamkeit und etwas mehr Demut und Achtung vor diesen bis heute gültigen Texten“

lesen sollten.

Spaltungsgefahr: reinigende Chance für die Kirche

Weiß halte es „mit dem vor allem, was Christus gelebt hat: es gibt kein Tabu!“ Auch dem „vermeintlichen Sünder“ sei sein Lebensrecht zu ermöglichen. Nichts anderes habe die EKD erkannt und mit der Novellierung des Pfarrerdienstrechtes umgesetzt. Nach Ansicht des „aufgeklärten Protestanten aus dem lichten Norden“ sollte die Änderung des Pfarrdienstrechtes „durchaus weiter gehend gedacht und gelebt werden“ können, „als es nun fauler Kompromiss in Sachsen geworden“ sei.

In der von den evangelikalen Kreisen in Sachsen „heraufbeschworenen Spaltungsgefahr“ sieht der Mailschreiber „gar eine reinigende Chance“ für die Kirche. Darüber wolle er weiter nachdenken.

Bleibt zu hoffen und dafür zu beten, dass dem „streitbaren Lutheraner“ aus dem Norden beim Lesen der Heiligen Schrift ein Licht aufgeht und ihm daraus die Erkenntnis geschenkt wird, dass Homosexualität nicht die von Gott gewollte Schöpfung ist. Wer Irrlichtern am Horizont menschlicher Sehnsüchte folgt, geht verloren. Doch Jesus Christus sucht auch den, der vom Weg der Wahrheit abgekommen ist. Im Matthäusevangelium (18,12-13) fragt Jesus:

„Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte? Und wenn es geschieht, dass er’s findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.“ (Mt 18,12-13)

(Thomas Schneider)