28. Juli 2017

Tausende trotzen Regen und Pöbeleien beim „Marsch für das Leben“

Quelle: jungefreiheit.de

Foto: Thomas Schneider/agwelt.de

Foto: Thomas Schneider/agwelt.de

von Lukas Steinwandter

Vereinzelt fallen Regentropfen, erste Sonnenstrahlen brechen sich ihren Weg durch die Wolkendecke, die an diesem Sonnabend in Berlin den Herbst einleitet. Aus der Entfernung sind Trillerpfeifen und Trommelschläge zu hören. Auf der Bühne vor dem Reichstag ergreift Martin Lohmann das Mikrofon. „Es gibt nichts Besseres als ein klares Ja zum Leben“. Diese Botschaft, „geht an jeden“. Recht auf Leben, ohne Abtreibung und Sterbehilfe.

Lohmann ist Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht, der seit 2002 regelmäßig und seit 2008 jährlich den „Marsch für das Leben“ im Regierungsviertel veranstaltet. „Wir wollen ein freies Europa und ein freies Deutschland“, unterstreicht der Publizist, eines ohne „Euthanasie“, mit Würde und in Frieden. Das Gebot, „du sollst nicht töten“, gelte auch heute noch. Auch der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, der erstmals an dem Umzug teilnimmt, bekräftigt: „Menschen haben ein Recht auf Leben.“

Daß das nicht alle so sehen, wird schnell klar. Nur wenige hundert Meter nachdem sich der „Marsch“ in Bewegung gesetzt hat, stürmen Einsatzpolizisten an den Teilnehmern vorbei in Richtung S-Bahnhof Friedrichstraße. Mit Musik und lautem Gebrüll versuchen Gegendemonstranten aus der linken Szene, auf sich aufmerksam zu machen und teilweise zu den Demonstranten vorzudringen. „Euro Kinder werden so wie wir“, „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ oder „Wer mit der AfD marschiert, der ist ein Nazi“, schreien die Störer.

Ein Teilnehmer, der schon mehrere Male beim „Marsch für das Leben“ dabei war, zeigt sich unbeeindruckt. „Vergangenes Jahr mußten wir zwei Stunden stehen bleiben, ehe es weiterging. Die Polizei hat heute gute Arbeit geleistet.“ Tatsächlich haben die Beamten jede Seitenstraße, die an die Demonstrationsroute angrenzt, mit Zäunen und Einsatzkräften gesichert.

Angreifer spuckt Beatrix von Storch ins Gesicht

Dann eine Attacke. Im vorderen Teil des Demonstrationszugs bildet sich eine Menschentraube um zwei sich prügelnde Männer. Einer von ihnen, mit einem Fotoapparat als Journalist getarnt, hat der Berliner AfD-Europaabgeordnete ins Gesicht gespuckt. Sofort wird er von mehreren Polizisten abgeführt. „Eine traurige Attacke, erbärmlich für den Angreifer. Wer sich mit der AfD auseinandersetzen möchte, kann gerne mit uns reden. Aber wer spuckt, diskreditiert sich selbst“, kommentiert die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende gegenüber der JUNGEN FREIHEIT den Angriff.

Die Teilnehmer der Kundgebung halten sich an die Anweisung des Veranstalters, sich nicht provozieren zu lassen. Laut Polizei sind es 6.000, laut Organisator 7.500 von mehreren Kontinenten, die sich vom Regen und den Pöbeleien unbeeindruckt zeigen. Auf der anderen Seite zählt die Polizei 1.500 größtenteils dem linken Spektrum zugeordnete Gegendemonstranten.

Während des Abschlußgottesdienstes, mit dem der „Marsch für das Leben“ traditionell endet, versammeln sich Hunderte von ihnen vor dem Reichstag. „Kondome, Spirale, Linksradikale“, brüllen sie in Richtung der Lebensrechtler, die von Zäunen und Polizisten geschützt in Rufweite beten. Immer wieder werden zwei bis drei Mann große Gruppen gefaßt und hinter die Absperrungen zurückgebracht. Mitten unter den Teilnehmern entblößen zwei sich als lesbisch bezeichnende Frauen ihre Brüste. „Ist ja nichts neues“, sagt eine 27 Jahre alte Teilnehmerin. „Gar nichts los hier heute bei den Linken.“

Ein Beamter, der bereits das dritte Mal beim „Marsch für das Leben“ im Einsatz ist, vermutet andere Demonstrationen in Berlin als Ursache hierfür. Unter anderem gab es an diesem Sonnabend auch die große Demonstration gegen TTIP und CETA in der Hauptstadt. Für die Polizei war es ein „störungsfreier“ Ablauf.