23. Februar 2018

„Welt“ trennt sich von AfD-Berichterstatter

Quelle: jungefreiheit.de

Marcus Pretzell. Foto: Facebook

Marcus Pretzell. Foto: Facebook

BERLIN. Der nordrhein-westfälische AfD-Chef Marcus Pretzell hat im Streit mit dem Welt-Journalisten Günther Lachmann um ein angebliches Beratungsangebot an die Partei seine Vorwürfe bekräftigt. Gleichzeitig wurde Lachmann über Pretzells Anwalt aufgefordert, öffentlich die von Pretzell aufgestellten Behauptungen, Lachmann habe der AfD angeboten, die Partei für monatlich 4.000 Euro politisch zu beraten, zu bestätigen. Die Frist lief am Sonnabend um 12 Uhr ab, ohne daß Lachmann der Aufforderung nachgekommen war. Zuvor hatte es Pretzell seinerseits abgelehnt, eine von Lachmanns Anwalt geforderte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen.

„Lachmann sagt die Unwahrheit, er wollte sich sehr wohl für 4.000 EUR monatlich kaufen lassen“, sagte Pretzell der JUNGEN FREIHEIT. „Zwei Zeugen können belegen, daß meine Schilderung stimmt. Lachmann wird daher vor Gericht scheitern.“

Mails von Lachmann liegen JF vor

Pretzells Anwalt, der Kölner Medienrechtler Ralf Höcker, untermauert die Vorwürfe gegen Lachmann in einem Schreiben an den Rechtsbeistand des Welt-Journalisten, das der JUNGEN FREIHEIT exklusiv vorliegt, mit einer Reihe von Emails, die Lachmann an die Pressesprecherin Pretzells, Kerstin Gabrecht, geschrieben hat.

So schrieb Lachmann in einer Mail vom 14. Juli 2015, also unmittelbar nach dem Abwahl Bernd Luckes als Parteichef, an Gabrecht: „Wir sprachen gestern darüber, wie die AfD ihr national-konservatives Stigma los wird. Dazu kam mir eine Idee, die ich schnell mal aufgeschrieben habe. Lassen sie sich den Text mal einige Tage durch den Kopf gehen.“ In einem dazugehörigen stichpunktartigen Konzept empfiehlt der Autor dann, die AfD zu einer „Partei der verantwortungsbewußten Demokratie“ zu entwickeln.

Vier Tage später legte Lachmann mit einem „Konzept für ein Manifest der Verantwortungsdemokratie“ nach. „Die Partei braucht dringend einen ideologisch-weltanschaulichem Überbau“, schrieb er in einer Mail an Gabrecht. „Ich habe mal ein Manifest der Verantwortungsdemokratie skizziert, aus dem sich die AfD und folglich auch ihr Programm ableiten kann.“ Und weiter: „Es ist die Versicherung gegen alle Versuche, die Partei rechts zu verordnen.“ Angefügt ist ein fünf Punkte umfassendes zweiseitiges Konzept.

„Eindeutige Grenzübertritte“

Bereits am 20. März 2015 hatte Lachmann von seinem Welt/N24-Account Gabrecht zudem den Link eines Artikels auf Spiegel Online geschickt. In dem Beitrag ging es um die Rolle Pretzells bei der Pfändung des Kontos des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der AfD. „Wollen wir da nicht dagegenhalten?“, lautete Lachmanns Frage an Gabrecht.

Diese Beispiele zeigen nach Ansicht von Pretzells Anwalt „eindeutige Grenzübertritte eines angeblich ‚unabhängigen‘ Journalisten und ein eindeutiges Anbiedern“ an Pretzell und die AfD. Nach Ansicht des Anwalts habe sich Lachmann zudem strafbar gemacht, wenn er tatsächlich eine eidesstattliche Versicherung abgegeben habe.

Das hatte am Freitag Spiegel Online unter Berufung auf Welt-Chefredakteur Stefan Aust berichtet. „Günther Lachmann hat eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, daß die Vorwürfe unbegründet sind. Ich habe ihn dazu ermutigt, rechtliche Schritte zu ergreifen, was er auch tut. Der Verlag unterstützt ihn dabei“, sagte Aust.

Lachmann antwortete auf Fragen der JF zu dem Vorgang bislang nicht. (ms)

Unbenannt

AKTUALISIERUNG: Nachdem die JF über die neueste Wendung im Fall Lachmann vs. Pretzell berichtet hatte, teilte Aust auf Twitter mit: „Die WELT trennt sich von Günther Lachmann.“