19. November 2017

Syrien: Christen werden massiv verfolgt

Quelle: OpenDoors

Petition zur Christenverfolgung in Syrien. Foto: OpenDoors

Petition zur Christenverfolgung in Syrien. Foto: OpenDoors

Christen fragen, warum die Kirchen im Westen wegsehen

(Open Doors) – Christen werden in Syrien massiv in ihrer Existenz bedroht. Es gibt inzwischen sogar Landstriche, wo nahezu kein Christ mehr lebt. Die Freie Syrische Armee (FSA) und darin vor allem die Rebellengruppe „Islamischer Staat Irak und Syrien (ISIS)“ verfolgen das Ziel, Christen auszurotten. Al Kaida-Kämpfer haben die aufständischen Kräfte durchsetzt. Gezielte Angriffe auf Christen und mehrheitlich christliche Ortschaften nehmen zu. Darum widerspricht das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors vehement einer Einschätzung von Dr. Otmar Oehring, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jordanien. Er hatte am 18. November bei einem Vortrag in Gießen gesagt: „Christen sind in Syrien noch nicht die Hauptzielscheibe von Angriffen.“ Und: „Es gibt dort noch keine systematische Christenverfolgung.“ Auszüge aus einem Referat von Dr. Oehring wurden unter anderem über pro-online.de verbreitet.

„Wo sind unsere Mitchristen aus dem Westen?“

Eine Christin und Mutter aus Damaskus hingegen hat Open Doors Mitarbeitern eine verzweifelte Botschaft anvertraut: „Christen werden alleine deshalb angegriffen, weil sie Christen sind. Dörfer sollen in Säuberungsaktionen von Christen befreit werden. Warum klagen unsere Mitchristen der westlichen Welt nicht mit uns gemeinsam diese Verbrechen an? Die Regierung bietet uns keinerlei Schutz. Warum interessiert es niemanden, dass immer mehr Christen sterben müssen?“ Erzbischof Silvanus Petros Al-nehmeh, Metropolit der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Homs und Hama, berichtet von verheerenden Angriffen auf Christen, unter anderem in der christlichen Stadt Assad, bei denen 45 Christen getötet wurden. Er sagt: „Was zur Zeit passiert, sind die schlimmsten Verbrechen an Christen, die wir bisher erlebt haben. Wir haben in die Welt hineingerufen und niemand hat uns gehört. Wo ist das christliche Gewissen der Welt? Wo sind unsere Glaubensgeschwister?“ Youssef, ein Christ aus Syrien, erzählt: „Eines Nachts klopfte es an unsere Tür und fremde Männer sagten: „Wir haben euer Gebiet eingenommen: Für euch Christen ist es Zeit zu gehen.“ Also flüchteten wir.“

Eine Stimme für die Christen in Syrien

Um auf die Situation der Christen in Syrien aufmerksam zu machen, hat Open Doors eine internationale Petition gestartet, die inzwischen alleine in Deutschland von mehr als 72.000 Personen unterschrieben wurde. Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland, sagt: „Beinahe täglich bekommen wir neue Nachrichten über Angriffe auf Christen in Syrien. Wir müssen diesen Christen international eine Stimme geben. Bitte helfen Sie mit und unterzeichnen Sie die Petition.“ Weitere Informationen und Zeichnungsmöglichkeit HIER. Am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, werden die bisher gesammelten Unterschriften an die Vereinten Nationen übergeben. Mit der Syrien-Nothilfe versorgt Open Doors in Zusammenarbeit mit den lokalen Kirchen aus allen Denominationen derzeit mehr als 9.000 Familien. Rode: „Etwa 45.000 Personen kann Open Doors aufgrund der großzügigen Spenden derzeit tagtäglich mit lebensnotwendigen Dingen versorgen. Außerdem bieten wir Trauma-Seelsorge an. So möchten wir unserem Auftrag nachkommen und das Überleben der christlichen Gemeinschaft in Syrien sichern. Unsere Nothilfe war ursprünglich bis Ende des Jahres 2013 geplant. Es zeigt sich aber schon jetzt, dass wir uns hier weiter engagieren müssen und die anhaltende Unterstützung unserer Spender weiterhin dringend benötigen.“ Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors, einer Rangliste der Länder, in denen Christen am stärksten bedrängt werden, belegt Syrien aktuell Platz 11.