20. Oktober 2017

Grenzenlose Sexualität als Lebensform?

Quelle: Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e. V.

Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.

Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.

Die Diskussion um pädophile Vorlieben der Grünen kommt für die Partei zur Unzeit (1) und sie wehrt sich. Es ist aber die Frage, ob es sich hier nur um Verfehlungen in der Vergangenheit handelt, wie der grüne Spitzenkandidat Jürgen Trittin und auch SPD-Chef Sigmar Gabriel meinen, oder ob die Partei nicht doch in Sachen Sexualität nach wie vor verwirrende Vorstellungen hat. Immerhin hat die Grüne Jugend auf ihrem Bundeskongress im März dieses Jahres in einer Resolution das Ziel formuliert, die „Gesellschaft so zu prägen, dass sich jede_r frei entscheiden kann, welche Geschlechtsidentität sie_er einnehmen möchte. Als GRÜNE JUGEND streiten wir dafür, dass die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten endlich anerkannt wird” (2).

Und folglich fordert dieser Verband von der Mutterpartei unwidersprochen auch: „Der Schutz der Ehe hingegen darf nicht länger im Grundgesetz verankert sein. Wir wollen die Ehe als staatliche Institution abschaffen. Familien verdienen staatlichen Schutz, nicht die Ehe” (3). Ein führender Grüner, der in etlichen auch bürgerlichen Medien sehr geschätzte Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, will Sex zwischen Geschwistern und anderen nahen Verwandten erlauben und verlangt eine Abschaffung des Inzest-Paragrafen (4).

Derartige sexuelle Orientierungsangebote werden unter dem Oberbegriff der „Selbstbestimmung” propagiert. Das erscheint paradox, denn gerade die Grünen müssen sich des Vorwurfs erwehren, auch das alltägliche Leben in Deutschland von oben herab regeln zu wollen. Wohin diese Angebote aber führen ist unter dem Begriff der Polyamorie bekannt. Darunter versteht man das Zusammenleben mehrerer Personen, die gleichzeitig miteinander sexuelle Beziehungen pflegen (5). Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten um den nicht-monogamen Charakter der Beziehungen wissen und ihn befürworten. Offenheit, Kommunikation und Konsensfindung sind zentrale Stichworte dieses Beziehungsmusters und erheben einen ethischen Anspruch. Das Polyamore Netzwerk in Deutschland (PAN, www.polyamory.de) begründet das Konzept mit Verweis und Unterstellungen bezüglich der Ehe. Man wolle eine größere Transparenz und Ehrlichkeit leben als in monogamen Beziehungen üblich, wo z.B. Ehebruch und die damit einhergehenden Lügen an der Tagesordnung seien. Zugleich wird wie bei gleichgeschlechtlich lebenden Menschen von „polyamor empfindenden” Menschen gesprochen, also nahegelegt, dass polyamores Leben keine Entscheidung, sondern eine Veranlagung sei. Bemerkenswert ist die Verbindung der polyamoren Szene zum Okkultismus: „Neuheidnische Orientierungen sind überdurchschnittlich stark in der zeitgenössischen US-amerikanischen Polyamorie-Szene vertreten. Bei zwei umfangreichen Umfragen unter polyamor lebenden Menschen in den USA wurde ein Anteil von Neuheiden von (…) 30 % ermittelt, deutlich mehr als der normale Verbreitungsgrad dieser Religionen in der amerikanischen Gesamtgesellschaft.”(6)

Ebenfalls aussagekräftig ist die Verbindung zum radikalen Feminismus: „Als Reaktion auf die Diskussion über die Einführung einer Ehe zwischen homosexuellen Menschen bildete sich in der Lesbenbewegung eine Gegenbewegung, die die gesetzgeberische Gleichstellung der nicht-monogamen Lebensweisen mit monogamen Lebensweisen forderte. Auf einem ersten bundesweiten Koordinierungstreffen für Lesben zur Gleichstellung aller Lebensweisen wurde im September 1999 in Regensburg die „Schlampagne” als Aktionsplattform gegründet. Das Wort „Schlampe” wurde dabei als Geusenwort zur Selbstbezeichnung von Frauen gewählt, die nicht in klassisch-monogamen Lebensweisen leben oder leben wollen.” (7). Auch Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode der EKD, und mit Jürgen Trittin Spitzenkandidatin der Grünen sieht in diesem Sinn Handlungsbedarf zugunsten polyamorer Partnerschaften. Bei ihrer Bewerbung im Rahmen der Urwahl der Grünen sagte sie: „Die rechtliche Absicherung und Verstetigung der sozialen Verantwortung durch ein neues Rechtsinstitut wäre meines Erachtens eine gute Idee.” Dieses Rechtsinstitut sollte nach Ansicht der Befürworter polyamorer Lebensformen ähnlich wie bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften eine Gleichstellung mit allen anderen Lebensformen sichern.

Alle sind gleich, jeder kann mit jedem – Grenzenlosigkeit mit Allgemeingültigkeit. Bei dieser den Individualismus beziehungsweise Egoismus auf die Spitze treibenden Lebenseinstellung fällt es schwer zu glauben, daß es für sie Grenzen geben soll, zum Beispiel die Pädophilie.

(1) In mehreren, jüngeren Ausgaben des SPIEGEL (Nr. 34, 35 und 36) wurden zwar die pädophilen Allianzen bei den Grünen, verschiedenen Organisationen der Schwulenbewegung, der Humanistischen Union und FDP thematisiert, allerdings immer unter dem Stichwort Aufarbeitung der “Vergangenheit”. In diesem Sinn auch die WELT, vgl. http://www.welt.de/politik/deutschland/article119802652/Der-paedophile-Irrsinn-der-fruehen-Jahre.html?config=print# Anders die FAS in ihren Ausgaben 34 und 36 in diesem Sommer.

(2) vgl. https://www.gruene-jugend.de//node/17429#gothere

(3) ebenda

(4) http://www.focus.de/politik/deutschland/er-muss-weg-gruenen-politiker-stroebele-will-inzest-paragrafen-abschaffen_aid_736743.html

(5) Vgl. Klesse C. 2007 Polyamory – Von dem Versprechen, viele zu lieben. Zeitschrift für Sexualforschung 20(4),316-330

(6) http://www.polyamory.de/tiki-index.php?page=Poly+GeschichteNeopaganismus

(7) http://www.polyamory.de/tiki-index.php?page=Poly+GeschichteDeutschsprachigerRaum

IDAF, Nr. 36-38, September 2013 (www.i-daf.org)