23. Oktober 2017

„Wie lesen wir die Bibel?“

Wolfhart Neumann. Foto: Gemeindehilfsbund

Wolfhart Neumann. Foto: Gemeindehilfsbund

Von Wolfhart Neumann

„Wie lesen wir die Bibel?“ Zu diesem Thema wurde eingeladen. Ich sitze unter 200 Interessierten in Leipzig.

Im Podium fünf Theologen. Sie diskutieren eine Stunde lang, wie man biblische Texte verstehen kann und muss. Es fallen Stichworte wie „Schriftverständnis“, „Hermeneutik“, „zeitgemäß verstehen“, „nicht eins zu eins übertragen“, „Auslegung“ und „Interpretation“.

Zugleich erinnere ich mich an die Zeit, als ich Christ wurde. Unkommentierte Sätze der Bibel hatten mich als Jugendlichen persönlich angesprochen und eine Lebenswende bewirkt.

Seitdem sind fast 50 Jahre vergangen. Jahre, in denen Gottes Wort mich im Glauben wachsen ließ. Jahre, in denen ich von gestandenen Christen lernen konnte. Jahre, in denen mein Leben am Heiligen Wort Gottes geprüft und korrigiert wurde. Für diese geistliche Entwicklung bin ich sehr dankbar. Es erinnert mich an Kolosser 2, 6-7:

„Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.“

Die Diskussion im Podium will kein Ende nehmen. Bei mir bleibt der Eindruck: Es gibt eine Diktatur der Hermeneutik. Theologie kann (oder will?) einen unbedarften Christen manipulieren. Wie viele Besucher dieses Abends werden verwirrt nach Hause gehen? Fragen über Fragen.

Ich lese weiter im Kolosserbrief, Kapitel 2, Vers 8:

„Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“

Dafür bin ich reichlich dankbar! Dankbar für Gottes vertrauenswürdiges Wort der Bibel; dankbar für vollmächtige Verkündiger; dankbar für Christen, die mir Vorbild und Ansporn im Leben waren.

Lasst uns mehr für Pastoren, Pfarrer, Theologiestudenten, Professoren und Bischöfe beten. Dass sie ihren Intellekt, ihren Einfluss und ihr Wissen nicht über die Autorität Gottes heben. Die Versuchung ist groß. Ihre Verantwortung vor Gott und den Menschen ebenso. Beten Sie mit?

„So lebt auch in ihm.“ Diese Aufforderung bleibt bei mir hängen. Diese Aufforderung könnte Tag für Tag eine freundliche Erinnerung sein. Täglich in enger Gemeinschaft mit Jesus Christus und seinem Wort sein. Jeden Tag umsetzen, was Gottes Wort mir sagt. Das ist Gottes Wille! Auch für Sie! Im Berufsalltag, in der Freizeit, am Computer oder hinter dem Lenkrad. In den zwischenmenschlichen Beziehungen oder bei ehrenamtlichen Aktivitäten; in der Kindererziehung oder in der Pflege der alten Generation: „So lebt auch in ihm.“

Wie viel Frieden würde in unserem Land wachsen, wenn Christen täglich, 7 Tage die Woche, in Jesus Christus lebten, statt zu diskutieren oder zu rätseln, ob Gottes Wort noch gilt oder ganz anders interpretiert werden müsste. „Seht zu, dass euch niemand einfange…!“ Oder soll ich sagen: „Seid wachsam, dass Ihr nicht manipuliert werdet!“

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Wolfhart Neumann ist Diakon und war bis zum Ruhestand ProChrist-Referent-Ost. Er gehört zum Bruderrat des Gemeindehilfsbundes.

[Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Erstveröffentlichung im „Aufbruch“ des Gemeindehilfsbundes.]