23. Oktober 2017

Ulrich Wilckens beim Papst:„Geistlich großartige Gespräche“

Quelle: idea.de

Der nordelbische Altbischof Prof. Ulrich Wilckens. Foto: idea/Starke

Der nordelbische Altbischof Prof. Ulrich Wilckens. Foto: idea/Starke

Eine positive Bilanz der Begegnung mit dem „Ratzinger-Schülerkreis“ in Castel Gandolfo bei Rom hat der nordelbische Altbischof Prof. Ulrich Wilckens (Foto) gezogen. Er war von Papst Benedikt XVI. als erster evangelischer Bischof eingeladen worden, ein Referat über die Voraussetzungen für die Einheit der Kirchen zu halten. Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte Wilckens, es seien „geistlich großartige Gespräche“ gewesen.

Rom (idea) – Eine positive Bilanz der Begegnung mit dem „Ratzinger-Schülerkreis“ in Castel Gandolfo bei Rom hat der nordelbische Altbischof Prof. Ulrich Wilckens (Lübeck) gezogen. Er war von Papst Benedikt XVI. als erster evangelischer Bischof eingeladen worden, bei dem Treffen am 1. und 2. September ein Referat über die Voraussetzungen für die Einheit der Kirchen zu halten. Der 84-jährige sagte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, es seien „geistlich großartige Gespräche“ gewesen. Die etwa 30 Teilnehmer hätten darin übereingestimmt, dass es eine zentrale Aufgabe der Kirchen sei, gemeinsam dafür einzutreten, dass die bis in die Gegenwart reichenden Folgen der Aufklärung im 18. Jahrhundert überwunden werden. Die Aufklärung habe unter anderem zu einer Alleinherrschaft der Vernunft und einer Loslösung des Menschen von Gott geführt, so Wilckens. Ohne die Bindung an Gott mache der Mensch jedoch die „quälende Erfahrung“, dass sein Leben letztlich sinnlos sei. Dies werde daran deutlich, dass Psychotherapeuten in der westlichen Welt immer mehr Zulauf hätten.

Für ein kirchliches Schuldbekenntnis

Wilckens zufolge haben die Kirchen einen wesentlichen Anteil daran, dass es zur Aufklärung mit all ihren negativen Folgen gekommen sei. Das Verhältnis von Katholiken und Protestanten sei zuvor über Jahrhunderte von Feindschaft und Hass geprägt gewesen. Eine der schlimmsten Auswirkungen dieser Entwicklungen sei der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 gewesen. Die Kirchen sind sich, so der Altbischof, zwar dieser Schuld bewusst, hätten sie aber noch nicht offiziell anerkannt. Er fordert deshalb: „Die Kirchen sollten ein gemeinsames Schuldbekenntnis im Blick auf die Entstehung der Aufklärung und ihrer Wirkung bis in die heutige Zeit ablegen.“ Mit diesem Vorschlag sei er auf breite Zustimmung gestoßen, so Wilckens. Als Grundlage für ein solches Schuldbekenntnis könne die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der römisch-katholischen Kirche aus dem Jahr 1999 dienen. Die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden sei der Kern des christlichen Glaubens. Wilckens: „Vergebung setzt immer ein Schuldbekenntnis voraus. Das ist das Herz der Theologie Martin Luthers.“

Worauf es bei der Ökumene ankommt

Der Altbischof betonte, dass die Kirchen angesichts einer „immer schneller voranschreitenden Säkularisierung der Welt nur gemeinsam ein überzeugendes christliches Zeugnis geben können“. Bei der ökumenischen Einigung der Kirchen komme es deshalb darauf an, „das Evangelium von der Liebe Gottes“ gemeinsam zu verkündigen. Ökumenische Einheit sei deshalb nicht bloß eine Sache für die Kirchen, sondern sie diene „der gemeinsamen Bezeugung der Wahrheit des Leben heilenden Evangeliums für die Welt“. Wilckens verwies auf die Aussage Jesu Christi im Johannes Evangelium (17, 22-23), dass die Einheit seiner Jünger dem Ziel diene, dass durch ihre Verkündigung „die Welt zum Glauben kommt“. Wilckens war von 1981 bis 1991 Bischof des Sprengels Holstein-Lübeck. Davor lehrte er Neues Testament in Marburg, Berlin und Hamburg. Deutschlandweit bekannt wurde er im Oktober 1987 durch seine Trauerrede für den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel, der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen war.