20. August 2017

Sachsen: Evangelist Scheufler bleibt suspendiert

Quelle: idea.de

Foto: sigrid rossmann/pixelio.de

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Dresden/Waldenburg/Moritzburg (idea) – Der sächsische Evangelist Lutz Scheufler (Waldenburg) bleibt vom Dienst suspendiert. Ein Gespräch mit Landesjugendpfarrer Tobias Bilz am 25. Juni in Dresden brachte keine neuen Entwicklungen.

Wie Scheufler auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, habe man ihm nahegelegt, seine Position gegenüber den kirchenleitenden Gremien der sächsischen Landeskirche zu „überdenken“. Sollte dies nicht geschehen, mache eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn. Er habe den Eindruck, als erwarte die Landeskirche, dass er seine dortige 80-Prozent-Anstellung als Landesjugendwart kündige, erklärte Scheufler. Das habe er jedoch nicht vor. Sollte die Kirche ihrerseits das Arbeitsverhältnis auflösen, wolle er seine Arbeit im Evangelisationsteam auf Spendenbasis fortsetzen. Anlass für die Suspendierung war eine Erklärung des Evangelisationsteams Sachsen, die neben Scheufler sieben weitere Personen – darunter der bekannte sächsische Evangelist und Pfarrer i. R. Theo Lehmann – unterzeichnet hatten. Darin heißt es, man erkenne die kirchenleitenden Gremien nicht länger als geistliche Leitung der sächsischen Landeskirche an. Als Grund wurde die Entscheidung von Kirchenleitung und Landessynode angegeben, die Pfarrhäuser in seelsorgerlich begründeten Einzelfällen für homosexuelle Partner zu öffnen.

Kirchensprecher: Inakzeptables Verhalten

Brisant ist, dass vier Unterzeichner – darunter Theo Lehmann – dienstrechtlich mit der Landeskirche verbunden sind. Als Reaktion war dem Evangelisten Andreas Riedel (Vielau bei Zwickau) die Prädikantenerlaubnis entzogen worden. Mit dem Evangelisten Michael Kaufmann (Aue), der zu 50 Prozent in der Jugendarbeit angestellt ist, und dem Bezirksjugendwart Michael Rausch (Marienberg), sollen nach idea-Informationen noch Gespräche geführt werden. Wie Pressesprecher Matthias Oelke (Dresden) auf idea-Anfrage sagte, habe die Kirchenleitung bei ihrer Sitzung am 22. Juni in Dresden auch über den weiteren Umgang mit den bei der Kirche angestellten Mitgliedern des Evangelisationsteams gesprochen; allerdings ebenfalls ohne konkretes Ergebnis. Oelke stellte jedoch klar, dass es für Mitarbeiter der Kirche nicht akzeptabel sei, wenn sie die Kirchenleitung nicht als geistliche Autorität anerkennten.

Berthold: Innere Einheit der Landeskirche hat Schaden genommen

Besorgt über die jüngsten Entwicklungen innerhalb der sächsischen Landeskirche zeigte sich der Vorsitzende des (pietistischen) Landesverbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften Sachsen, Prof. Johannes Berthold (Moritzburg). Die Stellungnahme des Evangelisationsteams und die Reaktion darauf hätten zu einer „bisher nicht gekannten Eskalation“ geführt. Eine solche Auseinandersetzung sei in der jüngeren Kirchengeschichte Sachsens beispiellos. „Die innere Einheit unserer Landeskirche hat schweren Schaden genommen. Wir alle zahlen in diesen Auseinandersetzungen einen hohen Preis – Befürworter, Gegner, aber auch Betroffene selbst.“ Zu dem von der Synode angeregten Gesprächsprozess sehe er keine Alternative, so Berthold. Sein Gelingen hänge jetzt auch davon ab, ob auf die Infragestellung der „geistlichen Leitungsgremien unserer Landeskirche eine geistliche Antwort gegeben wird, damit wieder Vertrauen wachsen kann“.

Unterstützung aus dem gesamten deutschsprachigen Raum

Unterdessen erhalten Scheufler und das Evangelisationsteam Sachsen viel Unterstützung von der Kirchenbasis. An manchen Tagen gingen die Zuschriften aus dem gesamten deutschsprachigen Raum im Minutentakt ein, so Scheufler. Innerhalb von zwei Wochen sei das Informationsblatt des Evangelisationsteams knapp 50.000 mal heruntergeladen worden. Eine bekannte kirchliche Persönlichkeit – Pfarrer Uwe Holmer, der 1990 das Ehepaar Honecker bei sich aufnahm – stellte sich hinter das Evangelisationsteam. Er sei erschüttert über die „schwache und unbiblische Theologie“, mit der die sächsische Kirchenleitung die Suspendierung Scheuflers begründe, schreibt er in einem Leserbrief an das Wochenmagazin ideaSpektrum. Indem sie alles verschweige, was die Bibel zu Homosexualität sage, übergehe sie die Geltung der Heiligen Schrift. Das Evangelisationsteam habe Schrift und Bekenntnis auf seiner Seite und tue recht daran, „dass es nicht austritt, sondern auftritt, auch eine Bekenntnissynode in Aussicht nimmt“.