18. Oktober 2017

Sachsen: Homosexuelle im Pfarrhaus weiter umstritten

Quelle: idea.de

Bekenntnis-Initiative: Weiter über biblische Beurteilung von Homosexualität sprechen. Foto: PR

Bekenntnis-Initiative: Weiter über biblische Beurteilung von Homosexualität sprechen. Foto: PR

Dresden (idea) – In Sachsen hält die Diskussion um die Öffnung des Pfarrhauses für gleichgeschlechtliche Partner an. Während eine Einzelfallregelung pietistischen und bibeltreuen Kreisen zu weit geht, geht sie Homosexuellenverbänden nicht weit genug.

Bei ihrer Frühjahrstagung in Dresden hatte die Landessynode in einer Ergänzung zum Pfarrdienstgesetz der EKD beschlossen, dass Ehe und Familie in Sachsen Leitbild für die Lebensführung von Pfarrerinnen und Pfarrern bleiben. In „eng umgrenzten seelsorgerlichen Einzelfällen“ können Bischof, Superintendent und Kirchenvorstand das Zusammenleben Homosexueller im Pfarrhaus aber ermöglichen, wenn sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft vorweisen können. Die Sächsische Bekenntnis-Initiative, die sich aufgrund der von der Kirchenleitung in einem Beschluss angestoßenen Liberalisierung gebildet hatte, veröffentlichte eine Stellungnahme, in der sie der Synode für die Ergänzung zum EKD-Pfarrdienstgesetz dankt. Durch die Aufnahme des zusätzlichen Paragraphen 15, wonach Pfarrerinnen und Pfarrer auch in ihrer Lebensführung in Ehe und Familie ihrem Auftrag verpflichtet sind, halte die Landeskirche an der bewährten Praxis fest und bekenne sich zur biblischen Lebensordnung der Ehe zwischen Mann und Frau. Weiter heißt es: „Mit Bedauern sehen wir jedoch, dass es auf Grundlage des Kirchenleitungsbeschlusses vom 21. Januar 2012 in seelsorgerlichen Ausnahmefällen Einzelerlaubnisse für homosexuelle Partnerschaften im Pfarrhaus geben kann. Nach unserem Schriftverständnis ist praktizierte Homosexualität mit der Heiligen Schrift nicht vereinbar. Wir erwarten, dass auch dieser Punkt im angestrebten Gesprächsprozess weiterhin eine Rolle spielt.“

Pietisten: Nebeneinander von Regelfall und Ausnahme ist „harte Belastung“

Der Landesverband Landeskirchlicher Gemeinschaften Sachsen wandte sich im Anschluss an die Synode mit einem Schreiben an alle Gemeinschaften. Darin heißt es, dass durch das sächsische Ergänzungsgesetz sowie durch den Beschluss der Kirchenleitung ein eigenständiger sächsischer Weg entstehe, der zwar dem pluralistischen Grundcharakter und Schriftverständnis der Landeskirche entspreche, aber nicht in allen Teilen vom Gemeinschaftsverband bejaht werden könne: „Das Nebeneinander von ‚Regelfall’ (biblische Lebensordnung der Ehe zwischen Mann und Frau) und ‚Ausnahme’ (Lebensordnung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft) bleibt für die meisten unter uns eine harte Belastung. Für uns ergibt sich nun die Aufgabe, unsere biblische Sicht, dass praktizierte Homosexualität nicht dem Willen Gottes entspricht, auch in Zukunft im Raum der Landeskirche wach zu halten.“ Das solle etwa in dem angeregten dreijährigen Gesprächsprozess geschehen.

Homosexuellen-Verband: „Fauler Kompromiss“

Der Lesben- und Schwulenverband Sachsen zeigte sich zwar erfreut, „dass sich etwas bewegt in der Landeskirche“. Dennoch bezeichnete Sprecher Tom Haus (Chemnitz) es als „faulen Kompromiss“, dass Homosexuelle Pfarrer von der Zustimmung des Kirchenvorstands abhängig seien. Gerade im ländlichen Raum könnte das zu Problemen bei der Umsetzung des Beschlusses führen. Wie der Pressesprecher der sächsischen Landeskirche, Matthias Oelke (Dresden), gegenüber idea sagte, bekennen sich innerhalb der Landeskirche derzeit rund 15 Pfarrerinnen und Pfarrer offen zu ihrer Homosexualität. Einen Antrag auf Zusammenleben mit dem jeweiligen Partner im Pfarrhaus habe bisher aber niemand gestellt: „Insofern ist die gesamte Diskussion noch sehr theoretisch.“ Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens mit etwa 760.000 Mitgliedern beschäftigt rund 700 Pfarrerinnen und Pfarrer.