19. November 2017

Medizinethiker geben Babys zum Töten frei

Quelle: idea.de

Foto: iStockphoto

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Melbourne/London/Leipzig (idea) – Weltweite Empörung haben zwei in Australien lehrende Medizinethiker ausgelöst. Nach ihrer Ansicht sollte es Eltern erlaubt werden, ihr neugeborenes Baby umbringen zu lassen. In der Fachzeitschrift „Journal of Medical Ethics“ (London) begründen Alberto Giubilini und Francesca Minerva von der Monash-Universität in Melbourne ihre Ansicht damit, dass ein neugeborenes Kind wie auch ein Fötus noch keinen „moralischen Status als Person“ habe. Deshalb sei das Töten eines Babys nichts anderes als ein Schwangerschaftsabbruch: „Sind die Umstände nach der Geburt so, dass sie eine Abtreibung gerechtfertigt hätten, dann sollte die Abtreibung auch nach der Geburt noch möglich sein.“

Dies könne beispielsweise der Fall sein, wenn sich Eltern überfordert fühlten und es ihnen „wirtschaftliche, soziale oder psychologische Umstände“ unmöglich erscheinen ließen, sich um ihr Kind zu kümmern. Ein Mitglied des Deutschen Ethikrats zeigte sich „entsetzt“ über diese Thesen. Das sei „vorchristliches Heidentum“ sagte der frühere stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende und ehemalige Thüringer Landesbischof Christoph Kähler (Leipzig) auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. „Die Tötung von Neugeborenen ist in keiner Hinsicht verantwortbar. Bei den beiden Wissenschaftlern sehe ich kein ernsthaftes Interesse an einer Sachdebatte“, so Kähler. Er kenne keinen ernstzunehmenden Bio-Ethiker in Deutschland, der sich so eine Position zueigen machen würde.

Gesellschaft und Ethik im „Morast“

Auch weltweit haben Giubilini und Minerva Empörung ausgelöst. „Folgen wir dieser Argumentation, dann ist es uns in Zukunft auch egal, wenn eine Mutter ihr Kind mit eine Decke erstickt“, sagt Trevor Stammers, Direktor am Londoner St. Mary‘s University College gegenüber Focus-Online. Der Co-Vorsitzende der britischen Parlamentariergruppe zum Lebensschutz, Lord David Alton, sagte der Zeitung „Catholic Herald“, die Veröffentlichung eines solchen Beitrags in einer Fachzeitschrift dokumentiere den „Morast“, in den die medizinische Ethik und die Gesellschaft geraten seien. Nach Angaben der österreichischen Presseagentur kathweb hat der Oxforder Bioethiker Julian Savulescu, der das Journal of Medical Ethics herausgibt, den Londoner Zeitungen Daily Telegraph und The Guardian mitgeteilt, dass die beiden Autoren nach Erscheinen des Beitrags Morddrohungen erhalten hätten. Bei der Zeitschrift sei per E-Mail eine Fülle von Beschimpfungen eingegangen, viele davon über eine Anti-Abtreibungs-Internetseite aus den USA.