19. November 2017

Auch Kirchenvertreter sagen Wulff ab

Quelle: idea.de

Foto: Rosel Eckstein/pixelio.de

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Berlin (idea) – Zahlreiche Repräsentanten aus Politik und Gesellschaft bleiben dem Großen Zapfenstreich zu Ehren des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff am Abend des 8. März im Park des Berliner Schlosses Bellevue fern. Über 160 der 369 geladenen Gäste haben nach einem Bericht der Bild-Zeitung abgesagt. Auch der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Prälat Bernhard Felmberg, und der Leiter des Kommissariats der (katholischen) Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten, werden nicht zu dem militärischen Zeremoniell kommen.

Sie begründeten dies mit „wichtigen terminlichen Verpflichtungen“. Beide hatten vor sechs Wochen die SPD-Fraktion zu einem Fachgespräch über „Kirchliches Arbeitsrecht“ eingeladen, das nach Angaben der beiden Kirchenvertreter derzeit ganz oben auf der kirchlichen Tagesordnung steht. Deshalb habe man das zeitgleich stattfindende Treffen nicht absagen wollen, teilten Felmberg und Jüsten der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage mit.

Felmberg: „Schweren Herzens“ abgesagt

„Es tut mir persönlich sehr leid, dass ich aus diesem Grund absagen musste. Ich wäre sonst gern dabei gewesen“, sagte Felmberg. Der frühere Bundespräsident Wulff habe immer signalisiert, dass er ein „offenes Ohr für die Anliegen der Kirche hat“. Auch Jüsten bedauerte, dass er an dem Zapfenstreich nicht teilnehmen kann. Die Kirche habe durch das ehemalige Staatsoberhaupt „sehr viel Wertschätzung erfahren: Das hätte ich durch meine Anwesenheit zum Ausdruck gebracht.“ Der Vatikan werde durch den Apostolischen Nuntius (Päpstlicher Botschafter) in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, vertreten sein.

Großer Zapfenstreich angemessen?

Im Vorfeld des Großen Zapfenstreichs war heftig diskutiert worden, ob die Zeremonie angesichts der Kritik an der moralischen Integrität Wulffs angemessen ist. Führende Politiker der Oppositionsparteien hatten ihm nahegelegt, auf den Zapfenstreich zu verzichten. Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) haben die Teilnahme zugesagt. Dies gilt auch für die meisten Minister des Bundeskabinetts. Dagegen haben alle Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages abgesagt: Wolfgang Thierse (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) – sie ist auch Präses der EKD-Synode –, Eduard Oswald (CSU) und Petra Pau (Die Linke). Da die Fraktionsvorsitzenden der Parteien nicht eingeladen sind, werden keine Spitzenpolitiker der Opposition an der Verabschiedung teilnehmen.