27. Juli 2017

Alternative zur Alternative?

Quelle: jungefreiheit.de

Saskia Ludwig (CDU) und Alexander Gauland (AfD) Foto: JF

BERLIN. Wen sollen Konservative bei der Bundestagswahl im September wählen? Die AfD oder doch die CDU? Darüber streiten die brandenburgische CDU-Abgeordnete Saskia Ludwig und der frühere CDU-Politiker und jetzige AfD-Vize Alexander Gauland in der aktuellen JUNGEN FREIHEIT.

Beide gehörten früher dem konservativen Berliner Kreis in der CDU an, und beide gelten als Kritiker von Merkels Kurs. Doch während Gauland die CDU verließ und im September für die AfD zur Bundestagswahl antritt, will Ludwig das Direktmandat in Potsdam für die CDU gewinnen; nicht mit, sondern trotz Merkel. Die CDU sei nicht nur die Partei Merkels. Das konservative Element erfahre in der CDU gerade eine Renaissance.

„Sicher, einige im CDU-Establishment glauben immer noch, die Achtundsechziger-Bewegung habe sich durchgesetzt, und wir müßten diesen Utopien hinterherlaufen“, sagte Ludwig. Das sei aber gerade in den neuen Bundesländern eine Schnapsidee.

„Bärendienst für Konservative“

„Daß die junge Generation komplett anders tickt, vergleichbar mit unserer Partei 2003, wird von Berlin aus leider nicht gesehen. Die Verhältnisse von 1968 im Westen haben nichts mit der globalisierten Welt von 2017 gemeinsam. Existenzangst hatten die Hippies nicht. Die heutige Jugend wünscht sich Verläßlichkeit und vor allem ernst genommen zu werden.“

Gauland dagegen sei mit seinem Austritt den bequemeren Weg gegangen und habe damit den Konservativen in der Union einen Bärendienst erwiesen. Wenn man erfolgeich sein wolle, müsse man beharrlich sein und dürfe nicht Fahnenflucht begehen.

Dem hielt der AfD-Vize entgegen, daß Merkels Kurs ja von den meisten CDU-Abgeordneten mitgetragen werde. Er sei aus der CDU ausgetreten, weil die Konservativen in der Partei geradezu verachtet worden seien. Er habe die AfD mitgegründet, um die CDU von außen zu beeinflussen, denn von innen sei dies nicht mehr möglich gewesen.

Daß es nun in der CDU auch wieder einige wenige konservative Stimmen gebe, wie den Bundestagsabgeordneten Jens Spahn, und die Positionen der Achtundsechziger in der CDU nicht mehr nur auf Zustimmung träfen, sei eben auch das Verdienst der AfD. „Wäre die AfD nicht aufgetaucht, hätte sich in der Union nichts getan“, betonte Gauland.

Gauland sieht keinen Unterschied zwischen CDU und SPD

Dennoch mache es für ihn keinen Unterschied, ob Angela Merkel (CDU) oder Martin Schulz (SPD) Deutschland regierten. Dieser Unterschied erscheine ihm wie der zwischen Pest und Cholera. Merkel habe die Masseneinwanderung nie als Fehler anerkannt. Er halte es daher wie Franz Josef Strauß, der einmal gemeint habe, es müsse erst viel schlechter werden, bevor es besser werden könne. „Ich fürchte, da ist leider etwas Wahres dran. Offenbar muß es erst noch viel schlimmer kommen, bevor sich die CDU von dieser Kanzlerin löst.“

Laut Ludwig mache es jedoch einen erheblichen Unterschied, ob die CDU das Land regiere oder die SPD. Gaulands SPD-Bild stamme offenbar noch aus der Zeit von Helmut Schmidt. Die SPD beispielsweise wolle, daß jeder, der in Deutschland lebt, das Wahlrecht bekomme. Dies fördere Extremismus und Terrorismus.

Mit der AfD fördere Gauland nur eine rot-rot-grüne Machtübernahme, dies führe zu einer kaum mehr rückgängig zu machenden „Umwandlung unseres Landes in eine multikulturelle Einwanderungsgesellschaft“. Die Folgen und Auswüchse davon könne man schon heute in Teilen von Berlin und Nordrhein-Westfalen betrachten. (JF)

> Das ganze Streitgespräch erscheint am Freitag in der aktuellen Ausgabe (Nr. 12/17) der JUNGEN FREIHEIT