12. Dezember 2017

Ex-Lageso-Chef fordert Lotsen für jeden Flüchtling

Quelle: jungefreiheit.de

Logo des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales. Foto: berlin.de/lageso

BERLIN. Der frühere Chef des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso), Sebastian Muschter, hat vor einem Scheitern der Integrationspolitik gewarnt. Die Maßnahmen zur Eingliederung der Einwanderer in die Gesellschaft müßten gezielter und besser überprüft werden, forderte der ehemalige McKinsey-Berater im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Capital.

„Wir brauchen einheitliche Standards für Integration und Fortschritte, die messbar sind. Sonst verlieren wir fünf Jahre, verblasen acht Milliarden Euro und haben am Ende nur die integriert, die sich sowieso integriert hätten“, sagte Muschter, der 2016 das Lageso geleitet hatte. Jeder Flüchtling brauche „einen Lotsen, der ihm sagt, was wie geht und was realistisch ist“. Vor allem berufsspezifische Sprachkenntnisse müßten zügig erlernt werden.

„Scheinheilige Gehaltsdebatte im öffentlichen Dienst“

Noch sei es nicht zu spät für das Lotsen-Modell, denn auch in den nächsten Jahren kämen wahrscheinlich 200.000 bis 300.000 Asylbewerber jährlich, vermutete Muschter. Mit Blick auf das im Jahr 2015 unter dem Asylansturm kollabierte Lageso empfahl er dem öffentlichen Dienst, dringend mehr Manager mit Wirtschaftserfahrung einzustellen.

Um dies zu erreichen, müßten die Gehälter der künftigen Behördenchefs deutlich steigen. Die Gehaltsdebatte im öffentlichen Dienst nannte Muschter scheinheilig: „Angela Merkel trägt die Last der gesamten westlichen Welt und verdient halb so viel wie der Chef der Sparkasse Neuss. Das ist absurd.“ (mv)