20. September 2017

Das war 2015: Schau dich nur um

Quelle: jungefreiheit.de

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Foto: Thomas Schneider/agwelt

von Ronald Berthold

Fast alles lief perfekt im zu Ende gehenden Jahr. So ist Deutschland „mit Menschen beschenkt“ worden. Die Kanzlerin ist drauf und dran, die Steuerpflicht aufzuheben. Und endlich bekommen wir Geld dafür, „Nazis“ zu verhauen. Auch die Aussprüche und Gesten setzten 2015 neue Maßstäbe. Ein satirischer Jahresrückblick – ausschließlich der Superlative.

Satz des Jahres: Das hat nichts mit dem Islam zu tun

Die Deutschen haben wieder eine Menge dazugelernt. Früher, als sie noch unaufgeklärt waren, dachten sie, wenn Moslems Hunderte Ungläubige umbringen und dabei „Allah ist groß“ rufen, habe das etwas mit deren Religion zu tun. Heute wissen sie, das ist falsch, hetzerisch und islamophob. „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ ist der Satz des Jahres. Dicht gefolgt von: „Islam ist Frieden.“

Geste des Jahres: Unterhaken

Da islamischer Terror nichts mit dem Islam zu tun hat, müssen wir das den armen Moslems auch zeigen. Politiker gehen da voran. Sie versichern ihnen sofort ihre Solidarität und Zuneigung. Aber das reicht noch nicht. Wir haken uns jetzt unter und demonstrieren, daß wir zusammengehören: Bundespräsident Gauck und Kanzlerin Merkel nehmen so den Zentralratsvorsitzenden Mazyek in ihre solidarische Mitte. Die Geste hat etwas und ist nun immer häufiger zu sehen – zuletzt beim Klimalügengipfel in Paris.

Trend des Jahres: Vertragsbruch

Endlich ist es vorbei mit der spießigen Gesetzes- und Vertragstreue! Weg mit den Pakten von Maastricht und Lissabon, den Abkommen von Dublin und Schengen. Fort mit all diesem Muff. Die Deutschen sollten nicht pingelig, sondern flexibel sein, hat die Kanzlerin gesagt. Sicher dürfen wir jetzt auch die Steuergesetze brechen. Danke, Mutti.

Sieger des Jahres: Antifa

Immer wenn irgendwo das Pack aufmuckt, darf sie zur Stelle sein: die Antifa. Landesregierungen übernehmen neuerdings sogar die Reisekosten und Spesen, damit das Sturmgeschütz der Demokratie der rückständigen Generation 50plus richtig Angst einjagen darf. Demos einfach mal so blockieren und ein paar AfD-Nazis für umme vermöbeln – das war gestern. Heute lassen sich die Toleranten dafür vom Staat bezahlen. Und womit? Mit Recht. Schließlich sind sie ja dessen verlängerter Arm.

Geschenk des Jahres: Flüchtlinge

Frau kann auch Theologin sein, wenn sie ein Theologie-Studium abbricht. Paradebeispiel: Katrin Göring-Eckardt. Dem Himmel sei dank hat sie das entscheidende Semester verpaßt, in dem es hieß, Weihnachten gebe es nur einmal im Jahr. Denn dank der grünen Protestantin und der Flüchtlingswelle ist heute jeden Tag Bescherung. Täglich bekommen wir Menschen geschenkt, hat sie gesagt.

Verlierer des Jahres: das Grundgesetz

Was Angie kann, das kann Claudi schon lange. Roth, die ungelernte Bundestagsvizepräsidentin, zeigt allen, daß Mutti nur eine billige Kopie ist. In einer Talkshow holte sie den Betroffenheitshammer raus: Als ein anderer Gast in Sachen Asyl das Grundgesetz zitierte, lief sie rot an und stellte mit schwerer Schnappatmung diesen Rechthaber dorthin, wo er hingehört: in die rechte Ecke. Grundgesetz? Irgendwie fascho! Auch das wird sicher Schule machen. Fakten stören nur.

Rausredner des Jahres: Heinz Rudolf Kunze

Um ein Haar wäre er nach Xavier Naidoo und Akif Pirinçci der nächste Paria geworden. Denn gegen Heinz Rudolf Kunzes „Willkommen, liebe Mörder“ sind die beiden Waisenknaben. Zunächst war der Sänger ganz mutig und verkündete, er habe „mit spitzer Zunge unmißverständlich Stellung zu falsch verstandener Toleranz in einem zunehmend stärker eskalierenden Clash zwischen Religionen und Kulturen“ genommen. Sein Glück: Kaum noch jemand hört seine Musik. Aber als der Text über „fremde Bräuche“ und die „andere Umbringekultur“ dann doch für Aufsehen sorgte, hatte er die beste Ausrede des Jahres parat: „Gemeint sind die Mörder der (sic!) NSU.“ Wer sich so nachhaltig mit dem Terror-Trio beschäftigt, dem kann man schon mal abnehmen, daß er den richtigen Artikel des NSU nicht kennt. Sei’s drum: Nächstes Jahr wird alles besser.

JF 53/15