15. Dezember 2017

Die Schamgrenzen brechen

Quelle: jungefreiheit.de

Foto: Lupo/pixelio.de

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von Dieter Stein

Die Schulpflicht ist das Geheimnis einer Kulturrevolution, die Anfang des 19. Jahrhunderts mit der breiten Alphabetisierung einen Grundstein für den wirtschaftlichen und politischen Aufstieg Deutschlands legte. Eltern übergeben seitdem ihre Kinder in die Obhut von Lehrern und dies weiterhin überwiegend an staatlichen Schulen, die noch immer einen weltweit guten Ruf genießen.

Es ist nur einige Wochen her, daß meine beiden jüngsten Kinder mit einem großen Ranzen auf dem Rücken erstmals fröhlich ihren Weg zur örtlichen Grundschule angetreten haben. Es sind doch verletzliche Kinderseelen, die wir da vertrauensvoll Fremden übergeben. Die Liedermacherin Bettina Wegner dichtete diesen kleinen schutzbedürftigen Menschen die anrührenden Zeilen: „Sind so kleine Seelen / offen ganz und frei. / Darf man niemals quälen / gehn kaputt dabei.“

Die natürliche Schamgrenze soll gebrochen werden

Unter dem Mantel der staatlichen Sexualaufklärung versuchen inzwischen Lobbygruppen in konzertiert auftretenden Bündnissen, die frühkindliche Prägung in intimsten Fragen immer aggressiver an sich zu reißen. Die Auseinandersetzung um den grün-roten „Bildungsplan“ in Baden-Württemberg und jetzt auch entsprechende Vorhaben in Niedersachsen rufen nun bisher wenig sensibilisierte Eltern auf den Plan.

In der aktuellen Ausgabe der JUNGEN FREIHEIT informieren wir in einem Schwerpunkt über die skandalösen Pläne, bei Kindern unter der verharmlosenden Parole „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ natürliche Schamgrenzen zu brechen und an zum Teil perverse Sexualpraktiken heranzuführen.

Wir haben gezögert, die teilweise verstörenden Textpassagen zu zitieren, die in von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfohlenen Unterrichtsmaterialien abgedruckt sind. Doch ohne diese wiederzugeben, werden Eltern nicht verstehen, welch unerhörter Eingriff in ihr Recht auf selbstbestimmte Erziehung ihrer Kinder mit staatlicher Förderung vorgenommen wird.

Druck von Homo- und Gender-Lobby

Anstatt die Schule als Schutzraum gegen die frühzeitige Sexualisierung und das kollektive Einreißen von Schamgrenzen zu erhalten, treten Lehrer unter dem Druck der Homo- und Gender-Lobby die Türen zu den Kinderseelen ein.

Heike Schmoll kritisiert deshalb in der FAZ zu Recht, daß diese Umerziehungsprogramme hinter „begrifflichen Nebelkerzen und Anglizismen verdeckt“ bleiben. Viele Bürger verwechseln Gender Mainstreaming mit Emanzipation und Gleichberechtigung. Hinter dem englischen Wortgeklingel verbirgt sich die proklamierte Idee zur „Abschaffung der Rechte der Eltern über ihre Kinder“ und des traditionellen Familienmodells.

Daß dieses Vorhaben von der Politik unter Einschluß der CDU/CSU getragen wird und von den Kirchen kaum Widerstand zu vernehmen ist, schreit zum Himmel. Bittere Erkenntnis: Die Familie hat an der Schule keine Lobby.

JF 47/14