19. Oktober 2017

„Mister Gnadau“ Theo Schneider tritt ab

Quelle: ead.de

Theo Schneider, Foto: Thomas Schneider/agwelt

Theo Schneider, Foto: Thomas Schneider/agwelt

Kassel (idea) – Eine Ära ist im Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften) zu Ende gegangen: Die pietistische Dachorganisation verabschiedete nach 37 Dienstjahren ihren Generalsekretär Theo Schneider (65) während eines Festgottesdienstes am 19. September in Kassel. Gleichzeitig wurde sein Nachfolger, Frank Spatz, eingeführt. Der 46-Jährige war bisher Geschäftsführer der Buchhandelskette Alpha (Gießen). In seiner Predigt vor den rund 400 Gästen sagte er, die Gemeinschaftsbewegung zeichne aus, dass in ihr der Geist Gottes lebe. Dessen Liebe dränge die in ihr engagierten Christen, das Evangelium weiterzugeben, lebendige und herzliche Gemeinschaft untereinander zu pflegen und Menschen in Not zu helfen. Um gesellschaftlich relevant und geistlich anziehend zu sein, brauchten die Landeskirchlichen Gemeinschaften für die Zukunft nicht nur gute und zeitgemäße Konzepte. Vor allem komme es darauf an, dass ihre Mitglieder Jesus Christus nachfolgen, in der Kraft des Heiligen Geistes leben und sich auf das „machtvolle Wort Gottes“ verlassen. Spatz absolvierte eine kaufmännische und eine theologische Ausbildung. Ab 2004 arbeitete der zweifache Familienvater bei der Alpha Buchhandlung, seit 2006 als Geschäftsführer.

„Gnadauer Schiff“ auf Kurs gehalten

Der Gnadauer Präses, Pfarrer Michael Diener (Kassel), würdigte die Arbeit des bisherigen Generalsekretärs Schneider. Er habe sich große Verdienste um die Gemeinschaftsbewegung im deutschsprachigen Europa erworben. Mit Kompetenz und fränkischem Humor habe er unschätzbar viel dazu beigetragen, das „Gnadauer Schiff“ auch in schwierigen Zeiten auf gutem Kurs zu halten. Schneider sei ein Garant für sachliche Entscheidungen gewesen, etwa bei der Wiedervereinigung der Gemeinschaftsverbände in Ost und West sowie beim Ringen um den innerkirchlichen Kurs „Gnadaus“. Diener dankte auch Monika Schneider, die den Dienst ihres Mannes „fleißig, fröhlich, fromm“ unterstützt habe.

Evangelische Allianz „ohne Gnadau undenkbar“

Der Generalsekretär der Deutschland Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), würdigte Schneiders Engagement in dem evangelikalen Dachverband. Er habe 30 Jahre dem Hauptvorstand angehört. „Allianz ist ohne Gnadau undenkbar“, so Steeb. Der landeskirchliche Pietismus sei das unverzichtbare Bindeglied zwischen Christen aus Landes- und Freikirchen. Steeb zeigte sich erfreut, dass auch der neue Generalsekretär Spatz von Herzen „Allianzmann“ sei. Der bisherige Generalsekretär Schneider kennt den landeskirchlichen Pietismus wie kaum ein anderer. Er bekam deshalb auch den Beinamen „Mister Gnadau“. Ab 1977 fungierte er zunächst als Sekretär des westdeutschen Gnadauer Verbandes, um den damaligen Präses Kurt Heimbucher (1928-1988) zu unterstützen. 1987 stieg Schneider zum Generalsekretär auf, ab 1991 im gesamtdeutschen Gnadauer Gemeinschaftsverband. Mit Heimbuchers Nachfolger Christoph Morgner bildete er ein ebenso eingespieltes Tandem wie mit dem jetzigen Präses Diener. Gemeinsam mit ihnen pflegte der Generalsekretär die Kontakte zur EKD. Elf Jahre war er stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. Schneider bleibt auch im Ruhestand Vorsitzender der Evangelistenschule Johanneum (Wuppertal) und der Gnadauer Brasilien-Mission (Schwieberdingen).