16. August 2017

43 Minuten pro Tag nutzen Kleinkinder das Fernsehen

Quelle: kultur und medien online

Foto: Urs Mücke/pixelio.de

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Der durchschnittliche Fernsehkonsum von Kindern zwischen zwei und fünf Jahren beträgt 43 Minuten pro Tag.

Gemeinsam mit dem SWR hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest erstmals Basisdaten zur Mediennutzung von Kleinkindern vorgelegt. Hierbei wurden 632 Erziehungsberechtigte nach den Fernsehgewohnheiten, der Lieblingssendung und anderen Aspekten zum Medienverhalten ihrer Kinder befragt.

Lieblingsmedium in der Altersgruppe der Zwei- bis Fünfjährigen ist das Fernsehen. 47 Prozent der Kinder in diesem Alter sieht jeden oder fast jeden Tag fern.

Film und Fernsehen haben Einfluss auf die Gewaltbereitschaft

Zusätzlich ergab die Studie: Je älter Kinder werden, umso mehr schauen sie fern. Ebenso steigt auch die Fernsehdauer mit dem Alter. Während Kinder zwischen zwei und drei Jahren durchschnittlich 30 Minuten am Tag vor dem Fernseher sitzen, sind es bei den Vier- bis Fünfjährigen schon 55 Minuten.

Nach Einschätzung der befragten Eltern sind Bücher für ihre Kinder ein wichtiges Medium zur Förderung der Phantasie. Eher kritisch sehen die Erwachsenen dagegen Film und Fernsehen. 60 Prozent der Eltern glauben, dass Filme Einfluss auf die Gewaltbereitschaft von Kindern haben oder dass diese dadurch zu „Stubenhockern“ werden. Trotzdem glauben genauso viele Eltern, dass Filme und Fernsehsendungen für Kinder wichtig sind, um bei ihren Freunden mitreden zu können.

Kompetenz mit Nebenwirkungen

Als wir Kinder waren, gab es drei Fernsehprogramme, heute jonglieren Kinder mit DVDs und schalten mit der Fernbedienung zwischen bis zu hundert Kanälen hin und her. Nie zuvor ist die technische und mediale Entwicklung so schnell vorangeschritten wie in den vergangenen Jahrzehnten. Unsere Kinder werden in diese Welt hineingeboren – und das Tempo ist ungeheuerlich. Mit rasender Geschwindigkeit können Kinder oder Teenager SMS tippen, Computer spielen oder problemlos schnell geschnittene Videoclips verfolgen. Das ist eine Kompetenz, aber keine ohne Nebenwirkungen: Die jungen Medienkonsumenten können diese Eindrücke oft nicht so schnell verarbeiten.

Im Gedächtnis bleiben oft nur diffuse emotionale Eindrücke. „Es findet in solchen Abläufen keine Selbstreflektion statt“, sagt der Medienpsychologe Wolfgang Bergmann (Die Welt der neuen Kinder). Medienkompetenz heißt nicht, am schnellsten mit der Maus oder Fernbedienung zu sein. „Medienkompetenz bedeutet, kritisch denken zu können. Und die Voraussetzung dafür ist eine hohe Sprachkompetenz“. Diese erlernen Kinder am besten durch tägliches Vorlesen- und Leben ihrer Eltern.

Mit Auszügen aus liliput-lounge