24. Oktober 2017

Pakistan: Fanatische Muslime drohen 14-jähriger Christin mit dem Tod

Quelle: idea.de

Die Schändung des Koran kann in Pakistan mit lebenslanger Gefängnisstrafe geahndet werden.

Die Schändung des Koran kann in Pakistan mit lebenslanger Gefängnisstrafe geahndet werden.

Die in Pakistan der Blasphemie angeschuldigte 14-jährige Christin Rimsha wurde gegen Kaution freigelassen. Doch auch nach der Freilassung wird sie weiter von fanatischen Muslimen bedroht.

Islamabad (idea) – Auch nach der Freilassung einer 14-jährigen pakistanischen Christin wird diese weiter von fanatischen Muslimen bedroht. Am 7. September ordnete ein Gericht in der Hauptstadt Islamabad an, dass Rimsha Masih aus der Untersuchungshaft gegen eine Kaution von rund 8.000 Euro entlassen werden soll. Ihr war die Schändung des Koran vorgeworfen worden, was in Pakistan mit lebenslanger Gefängnis bestraft werden kann. Seit dem 16. August befand sich das Mädchen in Polizeigewahrsam. Im Verlauf der Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass der Mullah der örtlichen Moschee, Khalid Jadoon Chishti, verbrannte Seiten aus einem Koran in eine Tragtasche des Mädchens geschmuggelt und dadurch die Anklage wegen Blasphemie ermöglicht habe. Der Mullah wurde festgenommen. Sein Verteidiger beharrt dennoch darauf, dass Rimsha schuldig gesprochen werde. „Wenn der Staat sich über das Recht hinwegsetzt, wird Gott eine Person finden, die seine Arbeit tut“, zitiert die christliche Hilfsorganisation Open Doors den Anwalt Rao Abdu Raheem. Laut Open Doors ist dies als eine „offene Drohung“ zu verstehen. Wiederholt wurden Menschen, die in einem Blasphemie-Prozess freigesprochen wurden, von einem aufgebrachten Mob umgebracht. Auch Politiker, die die Bestimmungen lockern wollen, müssen mit dem Tod rechnen. Im vorigen Jahr wurden der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer und der erste pakistanische Minister für Minderheitenangelegenheiten, Shabaz Bhatti, ermordet.

Online-Petition mit einer Million Unterschriften

Für die Wende, die viele Beobachter überrascht hat, gibt es mehrere Gründe. Nach der Festnahme von Rimsha waren mehr als 500 christliche Familien aus dem Stadtteil geflohen. Dadurch verloren die dort wohnenden Muslime fleißige Arbeiter und pünktliche Mietzahlungen. Um die Christen zur Rückkehr zu bewegen, hätten sie die Manipulation des Mullahs angezeigt, berichtet die Korrespondentin einer internationalen Nachrichtenagentur. Außerdem hatte Rimshas Vater Misrek Masih eine Online-Petition auf der Kampagnenplattform Avaaz.org gestartet, damit sich Pakistans Präsident Asif Ali Zardari für die Freilassung des Mädchens einsetze. Binnen weniger Wochen hätten mehr als eine Million Menschen weltweit die Petition unterzeichnet. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen.