15. Dezember 2017

Schweigemarsch: „Es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen!“

Foto: Chris Bergau

Foto: Chris Bergau

Etwa 400 Menschen haben sich am 14. Mai im sächsischen Annaberg-Buchholz an einem Schweigemarsch für das Leben beteiligt. Mit dabei waren mehrere Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie Vertreter von verschiedenen Lebensrechts-bewegungen.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag, Steffen Flath (Dresden), dankte den Teilnehmern, „dass sie in einer so unbequemen Frage ein öffentliches Bekenntnis abgeben“. `Du sollst nicht töten` sei ein Gebot Gottes, und Menschen seien gut beraten, die Gebote Gottes zu halten. Jesus Christus habe aber auch gesagt: Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Deshalb sei der Schweigemarsch keine Anklage gegen Menschen, die schuldig geworden sind, sondern ein „Werben für das Leben“. An die Männer gerichtet, betonte Flath, dass es unanständig sei, eine Schwangere im Stich zu lassen. Und wer einer Schwangeren rate abzutreiben, der belade sich mit Schuld. Eltern und Großeltern bat der Landespolitiker, werdenden Müttern Mut für das Leben zu machen und Hilfen anzubieten.

Es ist „keine Schande, Hilfe anzunehmen“

„Du bist mein Kind und ich liebe dich über alles“. Die Studentin Janin Uhlig (Chemnitz) verlas auf dem Annaberger Marktplatz einen Brief, den sie an ihr eineinhalbjähriges Kind geschrieben hat. Als allein lebende 19jährige sei sie nach Bekanntwerden der Schwangerschaft unter der schweren Last der Entscheidung zusammengebrochen. Sie sei noch nicht bereit gewesen, „eine Mama zu sein“. Vieles habe gegen das Kind gesprochen. Einen Beratungsschein, der eine Abtreibung ermöglicht, hatte sie bereits in der Tasche. Ihr Kind Emilia würde heute nicht mehr leben, so Uhlig, wenn ihr die Eltern von Emilias Vater nicht Mut gemacht hätten ein Gespräch mit einer Schwangerenberaterin von „Kaleb“ zu suchen. Es sei, so Uhlig, „keine Schande, Hilfe anzunehmen“ und es sei „die beste Entscheidung ihres Lebens“ gewesen, ihr Kind zur Welt zu bringen.

Ärzte haben das Recht, Abtreibungen zu verweigern

Der Bundesvorsitzende von „Kaleb e.V.“, Gerhard Steier (Berlin), machte Mut, „die Stimme für die Stummen“ zu erheben, die das nicht können. Er sei dankbar für medizinische Versorgung, zugleich aber „sehr traurig und betroffen“ über Ärzte und medizinisches Personal, „die von ihrem Recht, Abtreibungen zu verweigern, keinen Gebrauch machen“. Barbara Witzgall (Dresden) von der Aktion „1000plus“ verlas mehrere Zeugnisse von Frauen und gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich auch in diesem Jahr wieder mehr als eintausend Frauen nach erfolgter Beratung für das Austragen ihres Kindes entscheiden.

Das deutsche Grundgesetz wird umgangen

Der Mitorganisator der Demonstration, Joachim Hadlich (Elterlein), mahnte, dass sich weder eheliche noch außereheliche Probleme lösen ließen, „indem man das eigene Kind auf dem Altar des Modegötzen Selbstverwirklichung“ opfere. Viele Frauen litten jahrelang unter ihrer Schuld, das eigene Kind im Mutterleib abgetrieben zu haben. Mit dem Beginn einer Schwangerschaft habe Gott einem neuen Menschen das Lebensrecht verliehen. Dieses Wissen sei so alt wie das Wissen von Gott. Das Grundgesetz der Bundesrebublik Deutschland garantiere „jedem neuen Menschen das Lebensrecht von Anfang an und ohne jede Einschränkung“. Journalisten, Politiker, Juristen und Theologen hätten sich, so Hadlich, dazu verabredet, „in Falle ungeborener Kinder die Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes zu umgehen, die jedem Menschen, selbst dem Massenmörder, unverletzliche Menschenwürde garantieren“. Das vom Gesetztgeber flächendeckend organisierte System, das die massenhafte und institutionalisierte Tötung ungeborener Kinder ermögliche, sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Eine Ideologie der Selbstbestimmung hat sich breit gemacht

Der evangelische Pfarrer Eberhard Schmoldt (Albernau) verwies auf Sprüche 14 in der Bibel und betonte, dass der Mensch überhaupt kein Recht habe „zu entscheiden, den oder die nicht annehmen zu können“. In Deutschland habe sich, so Schmoldt, „eine Ideologie breitgemacht, die nicht mehr Gottes Recht achtet, sondern Selbstbestimmung zum obersten Maßstab erhoben hat“. – Organisiert hatte den Schweigemarsch die Vereinigung „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) im Erzgebirge unter Vorsitz von Thomas Schneider (Breitenbrunn, www.cdl-erzgebirge.de). Auch im nächsten Jahr soll ein Schweigemarsch für das Leben stattfinden.