15. Dezember 2017

Christen müssen sich auf mehr Gegenwind einstellen

Quelle: idea.de

Leitungswechsel bei der „Offensive Junger Christen“: Konstantin Mascher folgt auf Dominik Klenk. Foto: PR

Leitungswechsel bei der „Offensive Junger Christen“: Konstantin Mascher folgt auf Dominik Klenk. Foto: PR

Reichelsheim (idea) – Mit wachsendem Gegenwind für die Christen in der Gesellschaft rechnet der neue Leiter der ökumenischen Kommunität „Offensive Junger Christen“ (OJC), Konstantin Mascher (Reichelsheim/Odenwald).

Sie müsse deshalb noch lebendiger als bisher christliche Grundsätze bekennen, sagte der Soziologe beim Jahresfest der OJC an Christi Himmelfahrt. Dazu gehöre das Eintreten für ein biblisches Menschenbild, „selbst wenn man dadurch mit der Fundamentalismuskeule konfrontiert wird“. Ebenso eindeutig müsse man sich für die besondere Wertschätzung von Ehe und Familie in Gesellschaft und Politik einsetzen. Dies sei keine Diskriminierung anderer Lebensentwürfe, wie Kritiker von Christen behaupteten. Vielmehr wolle man die monogame Ehe von Mann und Frau stärken, weil sie „eine unverzichtbare Grundlage der europäischen Zivilisation“ bilde. Mascher kündigte an, dass sich die OJC weiterhin in die Gesellschaft einmischen werde. Sie tue das durch Tagungen, Veröffentlichungen und die Ermutigung zu politischem Engagement. Mit den Publikationen „Salzkorn“, „Brennpunkt Seelsorge“ und „Bulletin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“ würden mehr als 25.000 Abonnenten erreicht. Auf dem Jahresfest wurde Mascher als Nachfolger des bisherigen Priors Dominik Klenk eingeführt. Laut OJC-Statut ist die Amtszeit auf maximal zwölf Jahre beschränkt. Klenk hatte 2002 den Gründer Horst-Klaus Hofmann (83) an der Spitze der OJC abgelöst. Der 43-jährige promovierte Philosoph und Publizist übernimmt im Herbst die Geschäftsführung des Brunnen Verlags Basel. Mascher (36) arbeitet seit 2004 beim Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft der OJC. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Zu der Gemeinschaft mit dem Hauptsitz in Reichelsheim und einem Ableger in Greifswald gehören rund 110 Personen.

Eine überkonfessionelle „Denkfabrik“

Gegenüber idea sagte Mascher, er sehe seine Hauptaufgabe darin, das bewährte Miteinander von gemeinsamem Leben, geistig-geistlicher Reflexion und gesellschaftlichem Handeln fortzuführen und neu auf aktuelle Herausforderungen auszurichten, etwa Gefährdungen der Familie, Bedrohung ungeborener Kinder und Kampagnen gegen das christliche Menschenbild. Die OJC wolle eine „Denkfabrik“ über die Konfessionsgrenzen hinweg bleiben, weltanschauliche Trends beobachten und im Licht des Evangeliums untersuchen. Einen hohen Stellenwert hätten auch die seelsorgerlichen und pädagogischen Angebote, insbesondere die Möglichkeit zu einer einjährigen Mitarbeit in einer Jahresmannschaft.

EKD-Beauftragter: Kirchen sollen Spiritualität herausstellen

In einem Grußwort forderte der EKD-Beauftragte für den Kontakt zu den Kommunitäten, Altbischof Jürgen Johannesdotter (Norderney), die Kirche auf, zu „lernen, wie sie in einer Zeit der kulturellen Verunsicherung und der geistigen Beliebigkeit ihre Zuständigkeit auf dem Gebiet der Spiritualität neu herausstellen kann“. Sie habe sich auf das Diesseits beschränkt, um dem Vorwurf entgegenzuwirken, Menschen mit dem Jenseits zu trösten. Jetzt gelte es neu, „das Jenseits durch den Glauben ins Diesseits zu ziehen und das Diesseits durch den im Alltag gestalteten Glauben für das Jenseits transparent zu machen“. Dabei komme den rund 200 Kommunitäten unter dem Dach der EKD eine besondere Bedeutung zu, weil sich in ihnen der Glaube an Gott und der liebende Dienst an den Menschen zu einer lebendigen, täglich erprobten Wirklichkeit verbinde.

CVJM-Generalsekretär: Gottes Tagesordnung zu eigen machen

Im Festgottesdienst bedauerte der Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes, Roland Werner (Kassel), dass den Kirchen das Wissen um die Wiederkehr Jesu Christi und die freudige Erwartung weitgehend abhanden gekommen sei. Deshalb erfüllten sie ihren Auftrag in Deutschland nur halbherzig. Werner rief die Kirchen auf, sich Gottes Tagesordnung zu eigen zu machen, anstatt eigene Pläne verwirklichen zu wollen: „Das Beste, was wir der Welt bringen können, ist das Christuszeugnis, weil darin der Same von Glaube, Liebe und Hoffnung liegt. Und der Same der Erneuerung.“