18. Oktober 2017

„Wort zum Sonntag“: Gleichsetzung von Evangelikalen und Salafisten

Quelle: idea.de

Foto: Jochen Sievert/pixelio.de

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Hamburg/Stuttgart/Frankfurt am Main (idea) – Auf Proteste ist die ARD-Sendung „Wort zum Sonntag“ vom 14. April gestoßen. Darin hatte der katholische Pfarrer Wolfgang Beck (Hannover) die Piusbruderschaft, Evangelikale und radikal-islamische Salafisten hinsichtlich ihres konsequenten Verhaltens auf eine Stufe gestellt. Wörtlich sagte er: „Egal, ob Piusbrüder, ob evangelikale Gruppierungen oder muslimische Salafisten, denen wir in diesen Wochen in den Fußgängerzonen begegnen können: Sie alle haben mehr gemeinsam, als ihnen wahrscheinlich lieb ist. Vor allem dieses Bemühen um größtmögliche Eindeutigkeit. Alle Kraft wird da hinein gesetzt, dass das Leben völlig übereinstimmt mit dem, was gepredigt wird. Das beeindruckt mich manchmal, und daneben sehe ich mit meinen Kompromissen meist recht schwach aus.“

Die radikal-islamischen Salafisten, die als gewaltbereit gelten und vom Verfassungsschutz beobachtet werden, sorgen derzeit für Schlagzeilen, weil sie 25 Millionen Koranexemplare im deutschsprachigen Raum kostenlos verteilen wollen. Das „Wort zum Sonntag“ sahen knapp 1,7 Millionen Zuschauer.

Evangelikale: Wir stehen ohne Wenn und Aber zur Verfassung

Die Deutsche Evangelische Allianz – der Zusammenschluss evangelikaler Christen aus Landes- und Freikirchen – protestierte „gegen die Gleichsetzung von Piusbrüdern, evangelikalen Gruppierungen und Salafisten“ in der Sendung. Sie reichte bei dem für die Ausstrahlung verantwortlichen Norddeutschen Rundfunk (Hamburg) eine offizielle Programmbeschwerde ein. Auch wenn Beck besonders das „Bemühen um größtmögliche Eindeutigkeit“ hervorgehoben habe, werde in seinem Beitrag so getan, als ob es „eine objektiv nicht vorhandene Gemeinsamkeit“ geben würde, schreibt der Generalsekretär der Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), an den Intendanten des Norddeutschen Rundfunks, Lutz Marmor. Beck unterstelle mit seiner Formulierung, dass es sehr viel mehr solche Vergleichbarkeiten gebe als nur eine konsequente Haltung. „Nach den für den NDR geltenden journalistisch-ethischen Grundsätzen dürfte es sicherlich nicht zulässig sein, dass alleine wegen dem ‚Tun, was man sagt‘ freiheitsliebende und freiheitszerstörende Menschen, Verfassungsfreunde und Verfassungsfeinde, miteinander in einem Atemzug zu nennen“, so Steeb weiter. In der Programmbeschwerde heißt es im Blick auf die „Unvergleichbarkeit der angesprochenen Gruppierungen“: „Während für die Salafisten zu Recht die Beobachtung durch den Verfassungsschutz ansteht, stehen wir als sogenannte evangelikale Gruppierung ohne Wenn und Aber zu unserer Verfassung und der sie tragenden Werte, wie zum Beispiel der Freiheit der Religionsausübung.“ Der Fortgang des Vortrags suggeriere zudem, so die Allianz, dass es sich bei diesen drei Gruppierungen um solche Fundamentalisten handele, die „in der Regel“ keine Fragen zuließen. Auch dies könne man nur als unzutreffend zurückweisen.

Vergleich zwischen Salafisten und Evangelikalen ist demagogisch

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Michael Diener (Kassel), hatte sich nach eigenen Angaben unmittelbar nach der Ausstrahlung direkt an den „Wort zum Sonntag“-Sprecher gewandt und ihm seine Kritik vorgetragen. Die von Beck vorgenommene Gleichsetzung sei „stillos und demagogisch, weil sie in der Gesellschaft nachvollziehbare Ängste vor islamischem Extremismus ungebrochen auf Christinnen und Christen, die unter anderem in der Deutschen Evangelischen Allianz beheimatet sind“, übertrage. Diener forderte Beck auf, sich öffentlich von diesen Äußerungen zu distanzieren. Der Allianz-Vorsitzende lud den katholischen Theologen auch zu einer Begegnung ein: „Lassen Sie sich in Ihrem Urteil, das ich nur als diffamierend bezeichnen kann, irritieren, indem Sie das Gespräch mit mir oder anderen Vertreterinnen und Vertretern evangelikaler Gruppierungen suchen.“

EKD- und VEF-Medienbeauftragter: Gleichsetzung „völlig inakzeptabel“

Der Medienbeauftragte der EKD und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Markus Bräuer (Frankfurt am Main), nannte die Gleichsetzung von Piusbrüdern, Evangelikalen und Salafisten „vollkommen inakzeptabel“. Christen evangelikaler Prägung seien dafür bekannt, ihren Glauben und ihr Leben in besonderer Treue am Evangelium auszurichten. Anders als etwa die Salafisten ließen sie keinen Zweifel daran, dass jeder Mensch unabhängig von seinem Glauben, seinem Geschlecht und seiner Herkunft mit der gleichen Würde von Gott beschenkt sei. Für Evangelikale stehe auch außer Frage, dass die Demokratie die Gesellschaftsform sei, in der sich Menschenrechte und Glaubensfreiheit am besten bewährten, sagte Bräuer auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Er vermute, dass sich Pfarrer Beck diese Unterschiede nicht deutlich gemacht habe. Bräuer äußerte die Hoffnung, dass der Wort-zum-Sonntag-Sprecher schnell für eine Klarstellung sorgen werde.