17. Oktober 2017

Mama oder Krippe?

Quelle: idea.de

Bayern: Konservative Protestanten unterstützen Betreuungsgeld. Foto: PR

Bayern: Konservative Protestanten unterstützen Betreuungsgeld. Foto: PR

Nürnberg/München (idea) – Im Streit um das Betreuungsgeld wird die bayerische Staatsregierung von theologisch konservativen Protestanten unterstützt. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen Eltern, die für ihre Kinder unter drei Jahren keine staatlich geförderte Kinderbetreuung in Anspruch nehmen, ab Mitte 2013 monatlich 100 Euro und von 2014 an 150 Euro erhalten.

Die Oppositionsparteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die Linkspartei sowie Teile von CDU und FDP lehnen das als „Herd-Prämie“ ab. Sie plädieren stattdessen für einen stärkeren Ausbau von Krippenplätzen. Nur die CSU hält uneingeschränkt an den diesbezüglichen Vereinbarungen des Koalitionsvertrags fest.

„Vor der Bildung kommt die Bindung“

Die christlichen Unterstützer dieser Position betonen, dass sie nicht gegen die Berufstätigkeit von Frauen sind, sondern für das Wohl von Kleinkindern. So verweist die „Lebendige Gemeinde München“ auf eine US-Studie, die die Folgen von Bindungsstörungen zeigen, etwa Probleme in der Persönlichkeitsentwicklung und Schwierigkeiten beim Lernen. „Vor der Bildung muss die Bindung des Kleinkindes an eine Hauptbezugsperson ermöglicht und gefördert werden“, so der Vorstand der Vereinigung. Deshalb müsse die Gesellschaft dafür sorgen, dass sich Mütter ohne Geldsorgen vorrangig ihrem Kleinkind widmen können. Dies hätten international einige ehemalige Vorreiter der Krippenbetreuung erkannt. So zahle zum Beispiel Schweden seit 2008 pro Monat 300 Euro, wenn die Mutter sich zuhause um ihr Kind kümmert. Frankreich gebe 552 bis 700 Euro. In Norwegen und Finnland betrage das Elterngehalt monatlich 480 Euro.

Keine pauschalen Unterstellungen

Der Journalist Hans-Joachim Vieweger (München), der dem konservativen Arbeitskreis „Gemeinde unterwegs“ in der bayerischen Landessynode angehört, fasste in einem Beitrag für den Bayerischen Rundfunk die Forschungsergebnisse so zusammen: „Je früher ein Kind in die Krippe geht, je länger die Betreuungszeiten sind, und je stärker die Bezugspersonen wechseln, umso schlechter für die Kinder.“ Zur Befürchtung, sozial schwache Familien strichen das Betreuungsgeld ein, um mehr Alkohol, Zigaretten oder Unterhaltungselektronik zu kaufen, sagte Vieweger, man dürfe niemandem pauschal unterstellen, seine Kinder von Bildung fernzuhalten.

Diakonie für Krippenausbau

Anderer Ansicht sind die Diakonie und die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen im Freistaat. Alle Eltern sollten eine finanzielle Anerkennung ihrer Erziehungsleistung erhalten, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Auch wer sein Kind zeitweise einer Kindertageseinrichtung anvertraue, erziehe es. Ein Betreuungsgeld von 100 bis 150 Euro pro Kind sei nicht ausreichend, weil damit weder eine private Kinderbetreuung noch zusätzliche Bildungsangebote finanziert werden könnten. Deshalb sei es besser, die Mittel von 400 Millionen Euro im Jahr 2013 bzw. von 1,2 Milliarden Euro ab 2014 für den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen auszugeben.

Mehr Betreuungsgeld

Nach Angaben des badischen überkonfessionellen Lebensrechtsvereins „Hilfe zum Leben“ subventioniert der Staat jedes Krippenkind mit rund 20.000 Euro im Jahr. Insgesamt seien daür jährlich 13,1 Milliarden Euro aufzubringen. Dagegen würde das beabsichtigte Betreuungsgeld je Kind höchstens 1.800 Euro im Jahr ausmachen. Laut Vereinsvorstand Reinhard Klein (Pforzheim) sollte das Betreuungsgeld monatlich 500 Euro betragen; dazu müssten eine zusätzliche Absicherung im Rentenrecht und eine bessere finanzielle Entlastung von Familien mit Kindern gegenüber Kinderlosen kommen. Bei einer Momentaufnahme in Pforzheim habe „Hilfe zum Leben“ mehr als 1.500 Unterschriften für seine Forderung erhalten.