16. August 2017

Alzheimer kann die Würde nicht rauben

Quelle: idea.de

Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Hamburg (idea) – Seit sich der frühere Fußballprofi und Vereinsmanager Rudi Assauer (67) zu seiner Alzheimer-Erkrankung bekannt hat, ist der Umgang mit geistigem und körperlichem Verfall zu einem Massenthema geworden. Während früher Krebs als schlimmste Krankheit gefürchtet war, ist es heute die unheilbare Demenz. Daran sind insgesamt rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland erkrankt, allein 700.000 an Alzheimer. Viele fürchten, „das eigene Ich“ zu verlieren. In der Konfrontation mit dieser Krankheit gebe der christliche Glaube einen besonderen Halt, schreibt der Chefarzt „Geriatriezentrum und Palliativbereich“ am Hamburger Krankenhaus Groß-Sand, Georg Schiffner, in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Seine Begründung: „Leistungsfähigkeit und Unabhängigkeit sind nicht das höchste Gut des christlichen Lebens, sondern die Erfahrung, in unserer Schwachheit von Gott angenommen und gehalten zu sein.“ Zwar verändere Alzheimer die Persönlichkeit zuweilen in erschreckendem Ausmaß: „Aber unsere Würde als einzigartiger Mensch kann sie nicht nehmen.“ Trotz aller möglichen Entstellungen bleibe im Menschen eine Dimension des „wahren Selbst“, in der er für den Geist Gottes ansprechbar sei. Dort wolle sogar der Bibel zufolge Gott selbst „wohnen“. Christen sollten diese Erkenntnis in eine extrem leistungs- und erlebnisorientierte Gesellschaft einbringen, so Schiffner. Er ist Vorsitzender des Vereins „Christen im Gesundheitswesen“.

Gemeinde „demenzfreundlich“ gestalten

Der Mediziner mahnt gleichzeitig dazu, schon in „guten Tagen“ Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, etwa durch einen gesundheitsfördernden Lebensstil, aber auch durch die Gestaltung tragfähiger Beziehungen zu Mitmenschen und zu Gott. Wenn die Denkleistung auffällig nachlasse, solle man bereit sein, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Außerdem rät Schiffner zu einer „demenzfreundlichen“ Gestaltung des christlichen Gemeindelebens, etwa durch entsprechende Seniorenangebote, Besuchsdienste, Seelsorge, Mehrgenerationenprojekte sowie Gottesdienste für Demenzkranke und ihre Angehörigen. Gott wende sich bedürftigen Menschen zu. Schiffner verweist auf die Jahreslosung für 2012: „Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Korinther 12,9).