15. Dezember 2017

Verfolgung: In einigen Ländern droht dem Christentum das Aus

Quelle: idea.de

Laut der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit flüchten Christen in Irak, Afghanistan und Ägypten vor dem Terror.

Laut der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit flüchten Christen in Irak, Afghanistan und Ägypten vor dem Terror.

Washington (idea) – Auch im neuen Jahr werden Christen in vielen Weltregionen wegen ihres Glaubens verfolgt und bedrängt. Nach Schätzungen sind es rund 100 Millionen Christen in 130 Staaten.

Eine vollständige Vertreibung von Christen droht vor allem in Afghanistan und dem Irak, so der Vorsitzende der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit, Leonard Leo (Washington). Nach dem Abzug der US-Truppen werde sich die Fluchtwelle aus Furcht vor einer Zunahme von Terroranschlägen durch islamische Extremisten verstärken, sagte er dem Fernsehsender CNS. Das Muster der Einschüchterung und Vertreibung sei im gesamten Mittleren Osten zu beobachten. Leo befürchtet, dass auch in Ägypten das Ende für die christliche Minderheit bevorstehen könnte, wenn radikale Muslime an die Macht kämen. Im Irak ist die Zahl der Kirchenmitglieder unter den rund 29 Millionen Einwohnern seit dem Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten im Jahr 2003 von 1,3 Millionen auf weniger als 300.000 gesunken. Islamische Terroristen wollen das Land von Christen „säubern“.

Afghanistan: Verfassung lässt Diskriminierung zu

In Afghanistan bleibt die Religionsfreiheit auch nach der Entmachtung der radikal-islamischen Taliban vor rund zehn Jahren nach Einschätzung der US-Kommission problematisch. Die neue Verfassung, die mit westlicher Unterstützung formuliert worden sei, gebe dem Staat die Möglichkeit, Minderheiten die freie Religionsausübung zu verwehren, so Leo. Im Land am Hindukusch gibt es keine öffentlich zugängliche Kirche mehr. Die letzte wurde 2009 geschlossen, wie aus einem Bericht der US-Kommission hervorgeht. Zudem haben die Taliban angekündigt, das Christentum auslöschen zu wollen. Nach Schätzungen des Hilfswerks Open Doors leben etwa 10.000 Christen im Land; die meisten sind Ausländer. Die etwa 2.000 bis 3.000 Afghanen müssten wegen des „Abfalls“ vom islamischen Glauben mit schwerer Diskriminierung rechnen. Afghanistan hat etwa 28,4 Millionen Einwohner; 99 Prozent sind Muslime.

Ägypten bald ohne Christen?

Auf einem ähnlichen Weg wie der Irak und Afghanistan befindet sich nach Leos Einschätzung Ägypten. Anschläge auf Christen und Diskriminierung könnten eine Auswanderungswelle auslösen. Immer wieder kommt es zu örtlichen Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen. So wurde am Jahresende ein 17-jähriger Christ in Südägypten festgenommen, weil er eine Zeichnung des Propheten Mohammed auf Facebook gestellt hatte. Wegen dieser vermeintlichen Verunglimpfung des Islam kam es zu zweitägigen gewalttätigen Auseinandersetzungen. Von den 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind 90 Prozent Muslime und etwa zehn Prozent Christen, meist orthodoxe Kopten.

Nigeria: Welle der Gewalt zum Jahresende

Die schlimmste Welle der Gewalt gegen Christen ereignete sich über Weihnachten und Neujahr im westafrikanischen Nigeria. Der katholischen Kirche zufolge kamen rund 200 Menschen ums Leben. Nach Anschlägen der radikal-islamischen Terrorgruppe Boko Haram verhängte Staatspräsident Goodluck Jonathan den Ausnahmezustand über vier Unruheregionen im Norden. Er verglich die Gruppe Boko Haram mit einem Krebsgeschwür. Sie bezeichnet sich selbst als „Taliban“ und will einen islamischen Gottesstaat errichten. Von den 150 Millionen Einwohnern Nigerias sind knapp 49 Prozent Christen, 45 Prozent Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.

Iran: Pastoren, Frauen und Kinder verhaftet

Die Behörden der Islamischen Republik Iran haben unterdessen den Druck vor allem auf jene Christen verstärkt, die vom Islam übergetreten sind. Nach Angaben des christlichen Informationsdienstes Mohabat News wurden bei Razzien auf Gottesdienste Pastoren, Frauen und Kinder festgenommen. Der wegen seines Glaubens zum Tode verurteilte Pastor Youcef Nadarkhani wird wahrscheinlich trotz internationaler Proteste ein weiteres Jahr hinter Gittern bleiben. Der 35-jährige Leiter einer Untergrundgemeinde war am 22. September 2010 wegen „Abfalls“ vom islamischen Glauben zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Das Urteil wurde noch nicht vollstreckt. Derzeit liegt der Fall dem höchsten Rechtsgelehrten, Ayatollah Ali Khamenei, zur Begutachtung vor. Zu sechs Jahren Gefängnis wurde der 31-jährige ehemalige Muslim Alireza Seyedin verurteilt, weil er sich in der Türkei hatte taufen lassen. Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.

Pakistan: Inhaftierter Christin geht es schlecht

In Pakistan ist die 46-jährige Christin Asia Bibi seit dem 9. Juni 2010 in Haft. Wegen angeblicher Lästerung des Propheten Mohammed wurde sie zum Tode verurteilt. Ihr körperlicher und seelischer Zustand verschlechtere sich stetig, stellte eine Delegation fest, die sie am 19. Dezember im Gefängnis von Sheikpura besuchte. Das seit 1991 bestehende Blasphemiegesetz sieht die Todesstrafe für jeden vor, der den Propheten Mohammed beleidigt. Über 650 Christen wurden bisher wegen eines oft unbegründeten Verdachts angeklagt. Zur Vollstreckung von Todesurteilen kam es noch nicht. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen.

Übergriffe in Indien, Nepal und Kasachstan

Auch in anderen Ländern ist es in jüngster Zeit zu Übergriffen auf Christen gekommen. So wurde nach Angaben der Indischen Evangelischen Allianz eine evangelikale Gemeinde im Bundesstaat Karnataka am 25. Dezember von etwa 20 Hindu-Extremisten angegriffen und Gottesdienstbesucher verprügelt. In Nepal vertrieben Buddhisten Christen aus einem Dorf. In Kasachstan musste ein Baptistenpastor zwei Tage im Gefängnis verbringen, weil er sich geweigert hatte, eine Geldstrafe zu zahlen. Sie war gegen ihn verhängt worden, weil er gottesdienstliche Versammlungen ohne staatliche Genehmigung abgehalten habe.