23. Mai 2018

Glaubensbekenntnis am „Christlich-Schwul-LesBischen Stammtisch Dresden“

Es gibt ihn: den „Christlich-Schwul-LesBischen Stammtisch Dresden“. Auf der Internetseite werden derzeit die Besucher mit einem persönlichen „Glaubensbekenntnis“ eines Pfarrers begrüßt. Kernaussage: „frei von den demütigenden Dogmen der Sühnetheologie“.

Ein – wie er sich bezeichnet „ehrlicher, aber auch kritischer Christ“ – bekennt, dass er nicht an die Allmacht Gottes glaube, sondern an „sein Allsein“. Er glaube „an das Gute im Menschen“ und nicht daran, dass er „erlöst werden“ müsse. Auch glaube er nicht daran, dass alle Menschen umkommen, „die sich nicht zu Jesus bekennen“. Abschließend heißt es in seinem „Glaubensbekenntnis“:

„Es heißt, nur aus Gnade dürfen wir Gott begegnen. Ich glaube nicht, dass ich auf Gnade angewiesen bin. Ich bin nicht ein minderwertiges misslungenes Produkt göttlicher Schöpferkraft, sonder Teil seiner Wirklichkeit.“

Der Schreiber des Glaubensbekenntnisses müsse, nachzulesen auf seiner privaten Homepage, „keine dienstrechtlichen Konsequenzen mehr fürchten“, da er Pfarrer im Ruhestand sei. Er kritisiert die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, da in ihr „noch immer fragwürdige Regeln“ gelten würden, „die es homosexuellen Mitarbeitern nicht ermöglichen, offen und ehrlich zu ihrer Veranlagung zu stehen, und die eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ausschließen.“

Der Pfarrer i.R. sei durch seine theologische Ausbildung in der Lage, „die oft als Wurfgeschoss benutzten Bibelstellen in ihrem historischen und sozialen Kontext zu verstehen“. So würden, wie aus „einen Steinbruch“ herausgebrochene „Brocken“, lediglich „heidnisch-homosexuelle Praktiken damaliger Zeit“ verwerfen, nicht aber die „gleichgeschlechtliche Liebe“.

Es sei wahr, so der Ruheständler, „dass die Bibel keine positive Stellung zur Homosexualität beziehe“. Betreffende Bibelstellen aber „gegen verantwortlich gelebte Homosexualität zu benutzen“, sei „unchristlich und diskriminierend“. Die Kirchen hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass „Homosexuelle kulturell abgestempelt und ins soziale Abseits gestellt wurden und oft noch werden“. Die „schweren Lasten“ die Homosexuelle mit Schuldgefühlen und der Verhinderung „unverkrampfter Liebe“ zu tragen hätten, seien „ein Skandal“ und würden „der Liebe Christi ins Gesicht“ schlagen.

Der Pfarrer in Ruhe engagiert sich für Wohnprojekte in Dresden, wo „Singles (Männer und Frauen) und Paare verschiedenen Alters mit unterschiedlichen Lebensformen, Weltanschauungen und sexuellen Orientierungen miteinander“ leben.

Der „Christlich-Schwul-LesBische Stammtisch Dresden“ unterstützt die Initiative der Superintendenten Matthias Weismann (Borna) und Martin Henker (Leipzig), die gemeinsam mit mehr als 50 Theologen und Kirchenmitarbeitern die Zulassung homosexueller Partnerschaften in Pfarrhäusern und die Segnung homosexueller Paare fordern.

Gegen das neue Pfarrerdienstgesetz, das die Öffnung der Pfarrhäuser für homosexuelle Partnerschaften möglich machen soll, haben sich inzwischen 13.000 Christen mit ihrer Unterschrift positioniert, weil sie „Gott mehr gehorchen“ wollen als den Menschen. 107 Kirchgemeinden in Sachsen haben zwischenzeitlich schriftlich erklärt, dass sie keine gleichgeschlechtlichen Paare ins Pfarrhaus einziehen lassen werden. (TS)