23. Oktober 2017

Wo Christen eine Genehmigung zum Bibellesen brauchen

Quelle: idea.de

In Birma verlangen Behörden Anträge für Bibelstunden, Beten und Fasten.

In Birma verlangen Behörden Anträge für Bibelstunden, Beten und Fasten.

London (idea) – Eine behördliche Erlaubnis zum Bibellesen brauchen Christen in der Stadt Hpakant in Birma. Sie liegt im Norden des südostasiatischen Landes im Bundesland Kachin; die Angehörigen des dort lebenden Minderheitenvolks sind überwiegend Christen.

Wie die Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity Worldwide (CSW) in London berichtet, hat die Stadtverwaltung die christlichen Gemeinden in einem Rundschreiben angewiesen, Genehmigungen für geplante Bibelstunden, Sonntagsschulen, Gebet und Fasten sowie Rosenkranzgebete 14 Tage vorher anzumelden. CSW sei im Besitz einer Kopie des Schreibens. Der Ostasienreferent der Organisation, Benedict Rogers, weist darauf hin, dass Birma ohnehin zu jenen Ländern zähle, die die Religionsfreiheit am stärksten verletzen. Bei dem jüngsten Erlass handele es sich erneut um eine „extreme Einschränkung“ der Glaubensfreiheit. Das herrschende Regime geht teilweise mit brutaler Gewalt gegen ethnische und religiöse Minderheiten vor. Laut CSW sind Pastoren und Kirchenmitglieder misshandelt sowie zur Zwangsarbeit gezwungen worden; teilweise hätten Soldaten Frauen vergewaltigt und gefoltert. Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) haben die Menschenrechtsverletzungen im vergangenen Jahr stark zugenommen. Mindestens 112.000 Angehörige von Minderheitenvölkern seien zwischen August 2010 und Juli 2011 vor der Armee aus ihren Dörfern geflohen. Während sich in den großen Städten Anzeichen für einen politischen Frühling und eine zaghafte Demokratisierung zeigten, würden die Minderheiten-Gebiete von der politischen Entwicklung abgekoppelt.

Minderheitenvölker sind teilweise christianisiert

Die meisten Minderheitenvölker, die rund 30 Prozent der 53,4 Millionen Einwohner Birmas ausmachen, leben an der Grenze zu Thailand, Indien und China. Sie streben nach Autonomie. Die Chin und Kachin sind überwiegend Christen ebenso wie ein Großteil der Karen und Karenni. Birma wird seit einem Putsch im Jahr 1962 von Militärs beherrscht; 1989 gaben sie dem Land gegen die Proteste der Birmanen den Namen Myanmar. Am 7. November 2010 fanden die ersten Wahlen seit 1990 statt; am 4. Februar wurde der vorherige Premierminister, General Thein Sein, zum Staatspräsidenten ernannt. In diesem Jahr wurden Reformen eingeleitet und die Freilassung aller 2.000 politischen Gefangenen angekündigt; doch tatsächlich wurden höchstens 300 Gefangene amnestiert. Der Weltweiten Evangelischen Allianz zufolge sind rund 70 Prozent der Bevölkerung Buddhisten, 8,7 Prozent Christen und 3,6 Prozent Muslime.