21. November 2017

Hoffnung aus dem Schuhkarton

Quelle: idea.de

Foto: Geschenke der Hoffnung

Foto: Geschenke der Hoffnung

Berlin (idea) – Trotz kirchlicher Widerstände in Deutschland boomt eine evangelikale Initiative für Kinder in Not: die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Träger ist hierzulande das seit zehn Jahren bestehende Hilfswerk „Geschenke der Hoffnung“ (Berlin). Die Idee: Bürger spenden Pakete mit Kleidung, Schulsachen, Spielzeug und Süßigkeiten und bereiten bedürftigen Kindern vorwiegend in Osteuropa und Zentralasien Weihnachtsfreude.

Die Verteilung erfolgt durch einheimische Partner, meist christliche Gemeinden. An der Aktion beteiligen sich in Deutschland vor allem Gemeinden, Kindergärten und Schulen, aber auch viele Unternehmen und Einzelpersonen. Im vergangenen Jahr erhielt das Werk 553.400 Kartons mit einem Gesamtwert von 20,8 Millionen Euro – ein Rekordwert. Die Abgabefrist in diesem Jahr ist abgelaufen. Schnellentschlossene können aber noch bis 22. November Pakete an die Zentrale des Hilfswerks schicken. Teile der beiden großen Kirchen sehen die Initiative kritisch: So widerspreche sie einer nachhaltigen Entwicklungsarbeit. Außerdem arbeite „Geschenke der Hoffnung“ mit der US-amerikanischen Organisation „Samaritan’s Purse“ zusammen, die „fundamentalistisch“ ausgerichtet sei. Deren Leiter ist Franklin Graham, ein Sohn des Baptistenpastors Billy Graham. Die Kritik entzündet sich außerdem daran, dass neben den Hilfspaketen teilweise auch evangelistische Schriften weitergegeben werden. Allerdings erhält die Geschenkaktion auch prominente Unterstützung: Zu ihren Fürsprechern zählen die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen (CDU), der TV-Moderator und Bestsellerautor Peter Hahne (Berlin) und EKD-Ratsmitglied Tabea Dölker (Holzgerlingen bei Stuttgart).

Für viele Kinder das erste Geschenk

Zu den Vorwürfen äußerte sich jetzt der Geschäftsführer von „Geschenke der Hoffnung“, Bernd Gülker (Berlin), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Nach seinen Angaben ist das Paket für viele Kinder das erste Geschenk, das sie überhaupt erhalten. Es signalisiere: „Es denkt jemand an mich. Das allein kann man nicht hoch genug einschätzen.“ Gülker zufolge möchte das Werk Hoffnung geben für das irdische und ewige Leben mit dem Hinweis auf Jesus Christus. Jede Gemeinde, die Pakete zur Weitergabe an arme Kinder erhalte, entscheide selbst, ob sie auch ein evangelistisches Traktat anbiete: „Wer keinen religiösen Hinweis wünscht, bekommt auch keinen.“

Kritik beruht zum Teil auf Fehlinformationen

Manche Vorbehalte gegen die Aktion beruhen laut Gülker auf Fehlinformationen. So werde von „Geschenke der Hoffnung“ den Päckchen nie eine evangelistische Schrift beigelegt. Das Werk verfolge zwar ein „klares geistliches Anliegen“, dränge es aber niemand auf. „Wir sind überzeugt davon, dass die Verbindung zu Christus das Beste ist, was jedem Menschen passieren kann“, so Gülker. Man freue sich darüber, dass durch die Aktion „schon viele Kinder Christen und später Mitglieder von Gemeinden geworden sind“. Zur Frage, warum sich das Konzept zu einem solchen Erfolg entwickelt hat, sagte er: „Das ist zum einen dem großen Engagement der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter zu verdanken, die sich mit den Werten und der Ausrichtung der Aktion identifizieren.“ Zum anderen schaffe das Packen der Pakete eine emotionale Nähe zu den Beschenkten, die eine Geldspende per Überweisung nicht leisten könne. Laut Gülker bestehen in Deutschland 844 Sammelstellen für die Pakete und 60 in Österreich. Sie würden von rund 6.300 ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut.