21. November 2017

CDU soll Christen als Wählergruppe nicht vernachlässigen

Quelle: idea.de

Der Politikwissenschaftler und Publizist Andreas Püttmann. Foto: Privat

Der Politikwissenschaftler und Publizist Andreas Püttmann. Foto: Privat

Bonn (idea) – Der Politikwissenschaftler und Publizist Andreas Püttmann (Bonn) hat die CDU/CSU gewarnt, die Christen als Wählergruppe zu vernachlässigen. In einem Beitrag für die Beilage „Christ und Welt“ in der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Hamburg) widerspricht er dem Wahlforscher Matthias Jung (Forschungsgruppe Wahlen/Mannheim), der behauptet, dass der Anteil der kirchlich gebundenen Anhänger der CDU zurückgehe.

Nur noch jeder zehnte Unionswähler sei ein kirchennaher Katholik. Dazu Püttmann: „Der Anteil kirchlich Gebundener schrumpft zwar im Volk, nicht aber in der CDU-Parteibasis.“ Mitgliederstudien der Konrad-Adenauer-Stiftung hätten ergeben, dass der Prozentsatz derer, die sich ihrer Kirche stark verbunden fühlen, zwischen 1993 und 2006 gestiegen sei. Knapp die Hälfte der Mitglieder habe eine starke Kirchenbindung. Püttmann zufolge könnte mehr „C“ der Bindung und Mobilisierung der christlichen Kernklientel nutzen. Bei den Kirchenfernen müsse dies nicht schaden. Solange die Sympathiewerte des Wortes „christlich“ weit höher lägen als die der Union, könne man das „C“ kaum als Malus bezeichnen. Wo Gregor Gysi (Die Linke) als Nichtgläubiger seine Furcht vor einer „gottlosen Gesellschaft“ in die Welt posaune, „brauchen Christdemokraten sich nicht hasenfüßig in die Büsche zu schlagen“. Laut Püttmann wäre die CDU schlecht beraten, wenn sie die Sorgen des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel um das Profil der Partei abwiegeln würde. Teufel hatte eine mangelnde Ausrichtung seiner Partei am „C“ gerügt. Püttmann erinnert an Äußerungen des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (1876-1967), der seiner Partei 1962 einschärfte: „Ich würde empfehlen, das C in unserem Namen als Leitmotiv nicht davon abhängig zu machen, ob es uns politisch mehr oder weniger Stimmen bringt, sondern dazu aus klaren Gründen prinzipieller Entschiedenheit zu stehen und die Frage der Opportunität in diesem Punkte überhaupt nicht zuzulassen.“