18. November 2017

„Aufwieglerischer Landfriedensbruch“? Rückendeckung für Jugendpfarrer Lothar König

In einer heute verschickten „Rundmail“ des Landesjugendpfarramtes der Evangelischen Jugend in Sachsen werden die Empfänger über einen Offenen Brief der Landesjugendkammer Sachsens an die Evangelische Jugend der Ev. Kirche Mitteldeutschlands informiert, die im Fall der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König ihre „Solidarität“ bekundet.

Gegen König, dessen Dienstwohnung und Büro in Jena am 10. August von Polizisten aus Sachsen durchsucht worden waren, wird unter anderem wegen „aufwieglerischen Landfriedensbruchs“ ermittelt. Unter den beschlagnahmten Gegenständen sei ein Lautsprecherwagen gewesen. Aus diesem haraus habe man am 19. Februar in Dresden Demonstranten bei Protestaktionen gegen einen Nazi-Aufmarsch zu Gewalt gegen Polizisten angestachelt. Der Staatsanwaltschaft zufolge sollen Demonstranten aufgefordert worden sein: „Deckt die Bullen mit Steinen ein!“ Daraufhin seien mehrere Steine auf Polizeiwagen geflogen.

In dem Offenen Brief, der vom Vorsitzenden der Landesjugendkammer Sachsens, Tobias Bilz, der zugleich Landesjugendpfarrer der Ev.-Luth. Kirche Sachsens ist, und seinem Stellvertreter Sebastian Gunkel unterzeichnet ist, heißt es:

„Wir können die Durchsuchung der Wohn- und Diensträume Eures Jenaer Jugendpfarrers König, der JG-Räume, die Beschlagnahmung mehrere Gegenstände und eures JG-Busses vor allem in der bekannt gewordenen Form nicht nachvollziehen. Jugendpfarrer König wird des „aufwieglerischen Landfriedensbruch“ verdächtigt. Sächsische Jugendliche haben Pfarrer König und sein mutiges Engagement am 19. Februar 11 in Dresden wahrgenommen. Sie haben ihn als verantwortungsvoll Handelnden erlebt.“

Demnach wurden also auch die „JG-Räume“ (JG = Organisationsform der kirchlichen Jugendarbeit) durchsucht. Wenn von „eures JG-Busses“ die Rede ist, dann gehört also der beschlagnahmte „Bus“ der kirchlichen Jugendarbeit. Wieso braucht eine kirchliche Jugendarbeit Lautsprecher? Wer und wo waren die genannten „sächsischen Jugendlichen“ am 19. Februar, die Königs Teilnahme als „mutiges Engagement“ bewerten konnten?

Im Brief der sächsischen Landesjugendkammer heißt es weiter:

„Wir als evangelische Jugend in Sachsen möchten Euch daher unsere Solidarität bekunden und unseren Dank dafür aussprechen, dass ihr am 19. Februar 11 in Dresden ward. Es ist wichtig, dass wir als Christen versuchen mutig und friedlich Probleme und Konflikte anzusprechen und zur Lösung beizutragen. Das habt Ihr getan, danke!“

Demnach haben junge Menschen der Evangelischen Jugend der Ev. Kirche Mitteldeutschlands an den Protestaktionen am 19. Februar teilgenommen. Ist das Organisieren von Protestaktionen gegen Nazi-Aufmärsche inzwischen in den Mittelpunkt kirchlicher Jugendarbeit gerückt? Da wäre die Kirche dann wirklich verrückt. Weggerückt vom biblischen Auftrag.

Wer ist Lothar König? Wenn die Angaben auf wikipedia der Wahrheit entsprechen, dann „leitet der Jugendpfarrer u. a. den Jugendtreff JG-Stadtmitte in Jena“. Diese Gruppe soll „Aktionen gegen Neonazis“ organisiert haben. „Seit 2004 sitzt König im Stadtrat – anfangs für die Grünen und seit November 2006 für die Fraktion „Bürger für Jena“. Seine Tochter ist die thüringische Landtagsabgeordnete Katharina König (Die Linke)“.

Erneut unterstützt die Jenaer „JG Stadtmitte“ auf ihrer Homepage eine Protestaktion für den 27. August 2011, 10:00:

„Nazi-Aufmarsch in Weimar stoppen!“.

Die Veranstalter wollen sich

„den Nazis u.a. durch Aktionen des zivilen Ungehorsams mit Massenblockaden entgegen stellen.“

Sie erachten

„Widerstand gegen Nazi-Veranstaltungen jeder Art… als Notwendigkeit und halten diesen für legitim“.


Wo bleibt Königs Aufschrei gegen den wachsenden Linksextremismus, der sich deutschlandweit ausbreitet wie eine Seuche? Hätte der Jugendpfarrer auch dann so viele Solidaritätsbekundungen erhalten, wenn seine Tochter Mitglied der NPD wäre?

Richtig ist: Die NPD wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Richtig ist: diese Partei ist für Christen nicht wählbar . Richtig ist aber auch: Sie ist eine (noch) nicht verbotene Partei und genießt, wie die von Verfassungsschutzbehörden beobachtete Partei „Die Linke“, staatlichen Schutz. (Thomas Schneider)