11. Dezember 2017

„Evangelikal“ ist etwas anderes als „fundamentalistisch“

Quelle: ead.de

Prof. Egelkraut: Begriff „Fundamentalismus“ für evangelikale Anliegen unbrauchbar. Foto: idea/Pankau

Prof. Egelkraut: Begriff „Fundamentalismus“ für evangelikale Anliegen unbrauchbar. Foto: idea/Pankau

Prof. Egelkraut: Begriff „Fundamentalismus“ für evangelikale Anliegen unbrauchbar

Elbingerode (idea) – Die Begriffe „evangelikal“ und „fundamentalistisch“ bedeuten nicht dasselbe. Darauf hat der Bibelwissenschaftler Prof. Helmuth Egelkraut (Weissach im Tal bei Stuttgart) auf der Pfingstkonferenz des Diakonissen-Mutterhauses Elbingerode (Harz) hingewiesen. Auch wenn viele weltliche Medien versuchten, die evangelikale Bewegung als fundamentalistisch abzustempeln, sollten Christen die beiden Begriffe auseinanderhalten. Der Fundamentalismus sei in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts als Reaktion auf die aus Deutschland kommende liberale Theologie entstanden. Er zeichnete sich im weiteren Verlauf durch einen „Anti-Intellektualismus aus, der alles Wissenschaftliche ablehnte“, und durch ständig neuen Separatismus, der zu vielen Spaltungen führte, so Egelkraut. Die evangelikale Bewegung hingegen sei als positive bibeltreue Gegenbewegung zum Fundamentalismus während und nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA entstanden und habe ihre Blüte in den 60er bis 80er Jahren gehabt. Eine wesentliche Rolle habe dabei auch die Auseinandersetzung mit dem radikalen Kurs des Weltkirchenrates und dessen Entscheidung gespielt, statt auf Mission auf den Dialog mit anderen Religionen zu setzen. Evangelikale verbinde das Bekenntnis zur Bibel und zu Jesus Christus als alleinigem Retter sowie die Betonung einer persönlichen Glaubensentscheidung. „Ich wehre mich dagegen, den Begriff evangelikal zu einem Schimpfwort werden zu lassen“, so Egelkraut, der sich als „Bibelwissenschaftler evangelikalen Gepräges“ bezeichnete. Christen, die überzeugt seien, auf dem Fundament der Bibel zu stehen, riet er, sich nicht fundamentalistisch zu nennen: „Der Begriff ist in der öffentlichen Wahrnehmung stark negativ, politisch wie religiös belastet und hat nichts mit dem gemein, was die Bibel als Grund des Glaubens bezeichnet. Diese negative Befrachtung des Begriffes können wir nicht ändern, und somit ist er für unser Anliegen unbrauchbar geworden.“

Warum Jesus einzigartig ist

Die Pfingstkonferenz und das damit verbundene Jahresfest der Schwesternschaft mit rund 500 Gästen standen unter dem Thema „Gott ja – warum Jesus?“. Egelkraut betonte in mehreren Bibelarbeiten die Einzigartigkeit Jesu Christi. Allein durch ihn gebe es Vergebung der Schuld sowie Glaubensgewissheit. Zu der Schwesternschaft, die auf eine 91-jährige Geschichte zurückblickt, gehören 222 Diakonissen; 30 davon sind unter 65 Jahre alt. Wie die Oberin der Schwesternschaft, Diakonisse Anita Rost, berichtete, arbeiten die Schwestern außer im Mutterhaus und Freizeithaus in Elbingerode auch in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Berlin, einem Freizeithaus auf der Insel Rügen und in Moskau. Zum Mutterhaus gehört auch eine Berufsfachschule für „Altenpflege und Sozialassistenz“. Am 1. September beginnt der bisherige Leiter des Evangelischen Allianzhauses in Bad Blankenburg (Thüringen), Pastor Reinhard Holmer, seinen Dienst als Direktor und Hausvater im Diakonissen-Mutterhaus. Die Stelle war mehr als ein Jahr vakant. Zuvor hatte sie Martin Hüfken inne, der jetzt Militärseelsorger in Delitzsch (Nordsachsen) ist. Holmers Einführung ist für den 16. Oktober geplant.