24. Oktober 2017

Miteinander von Israelis und Palästinensern realistischer betrachten

Quelle: idea.de

Der Israelkorrespondent des Christlichen Medienverbundes KEP, Johannes Gerloff.

Der Israelkorrespondent des Christlichen Medienverbundes KEP, Johannes Gerloff.

Lichtenstein (idea) – Europa und die USA sollten die Möglichkeiten eines friedlichen Miteinanders von Israelis und Palästinensern realistisch betrachten und ergebnisoffen diskutieren.

Diesen Wunsch äußerte der Israelkorrespondent des Christlichen Medienverbundes KEP, Johannes Gerloff (Jerusalem), bei der 15. Israelkonferenz der Sächsischen Israelfreunde am 7. Mai in Lichtenstein (bei Chemnitz). „Vieles, was wir Friedensprozess nennen, ist auf westlicher Illusion aufgebaut“, erklärte Gerloff vor rund 700 Besuchern. Indem sie für eine Zweistaatenlösung mit völlig gleichberechtigten Partnern plädieren, verträten viele Deutsche und Europäer zwar eine politisch korrekte, aber völlig unrealistische Forderung. Israel müsste auch im Falle einer Zweistaatenlösung wesentlich stärker sein, weil dem Land von anderen Mitgliedern der internationalen Staatengemeinschaft die Existenzberechtigung abgesprochen werde. Auch eine Rücknahme aller Siedlungspläne und eine Rückkehr in die israelischen Grenzen von 1967 hält Gerloff für nicht durchführbar– „selbst wenn einem solchen Plan alle Beteiligten zustimmen würden“. Denn das würde die Umsiedlung von 650.000 Israelis – sieben Prozent der Gesamtbevölkerung – bedeuten, was unmöglich wäre. Zur Versöhnung der bisher rivalisierenden Palästinensergruppen Fatah und Hamas erklärte Gerloff, er könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschätzen, was das für die Zukunft Israels bedeute. Er rief die Teilnehmer der Konferenz auf, um Weisheit sowohl für die Entscheidungsträger der Israelis als auch der Palästinenser zu beten.

Begegnungszentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur geplant

Nach Angaben des Geschäftsführers der Sächsischen Israelfreunde, Wilfried Gotter (Rossau), plant der Verein, im sächsischen Reichenbach (Vogtland) ein Bildungs- und Begegnungszentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur einzurichten. Auf dem Gelände der Landesgartenschau von 2009 soll eine Dauerausstellung entstehen, die sich vor allem an Kinder und Jugendliche, aber auch an Gemeinden richtet. Ziel sei es, möglichst vielen Menschen die jüdisch-christlichen Wurzeln Europas zu vermitteln. Langfristig möchte der Verein in dem Zentrum neben einem Werteunterricht für Schüler auch Fortbildungen für Religions- und Ethiklehrer anbieten, erklärte Gotter. Man sei gegenwärtig mit der sächsischen Staatsregierung im Gespräch, die Offenheit signalisiert habe. Der Miet- und Pachtvertrag für das Gelände wurde bereits im Februar unterschrieben. Der Stadtrat habe das Areal dem Verein für 25 Jahre sehr kostengünstig zur Verfügung gestellt. Während der Konferenz wurden gut 4.000 Euro für das Begegnungszentrum gesammelt.

Sächsische Handwerker renovierten Wohnungen Holocaustüberlebender

Handwerker aus Sachsen berichteten über ihren Einsatz bei Juden in Israel, die den Holocaust überlebt haben. Von Februar bis April waren insgesamt 80 Männer und Frauen im Alter zwischen 14 und 77 Jahren in Israel, um ehrenamtlich rund 20 Wohnungen von Überlebenden zu renovieren. Die Reaktionen seien ausgesprochen positiv gewesen, berichtete Handwerksmeister Michael Sawitzki, der die Einsätze seit sieben Jahren koordiniert. „Ein streng orthodoxer Jude sagte uns: Indem Ihr Deutschen uns Juden helft, schreibt Ihr Geschichte.“ Es habe zahlreiche intensive und tiefgreifende Begegnungen gegeben. Viele Handwerker, die für die Einsätze ihren Urlaub opfern, wollten auch im kommenden Jahr wieder mitfahren. Der 1998 gegründete Verein der Sächsischen Israelfreunde hat 400 eingetragene Mitglieder. Sein Magazin „Zum Leben“ wird von 7.000 Interessierten gelesen. Vorsitzender ist der Dresdner Stadtrat Lothar Klein.