22. September 2017

Evangelische Kirche geht auf Eliten zu

Quelle: idea.de

Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider. Foto: EKiR/André Zelck

Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider. Foto: EKiR/André Zelck

Berlin (idea) – Die evangelische Kirche geht auf Eliten in der Gesellschaft zu, die sich für andere und das Gemeinwesen einsetzen. Die EKD hat dazu am 5. April ein Papier unter dem Titel „Evangelische Verantwortungseliten – eine Orientierung“ herausgegeben.
 

Mit dieser Elite seien evangelische Christen gemeint, „die ihre gesellschaftlichen Aufgaben aus einer christlichen Überzeugung heraus wahrnehmen“, heißt es in der Einleitung. Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), schreibt im Vorwort, die evangelische Kirche habe diesen Eliten viel zu verdanken. Nach seinen Worten drohte in den vergangenen Jahrzehnten eine falsch verstandene Gleichheitsauffassung in der Kirche zu verhindern, „dass evangelische Verantwortungseliten ihre Kraft entfalten konnten“. Es sei nötig, die Mitglieder dieser Elite durch die Kirche anzusprechen und einzuladen: „Sie sollen sich willkommen fühlen, und sie sollten in ihrem Verantwortungsgefühl und in ihrem Selbstverständnis als ‚Elite für andere’ bestärkt werden, denn unsere Kirche braucht ihre Anwesenheit, Mithilfe und Strahlkraft.“ Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe für das Papier, EKD-Ratsmitglied Marlehn Thieme (Bad Soden), sagte bei der Vorstellung in Berlin, Eliten könnten mitunter den Eindruck gewinnen, dass sie mit ihrem Stil, ihren Themen und ihren Bedürfnissen in der evangelischen Kirche nicht genügend vorkommen. Der Text solle die Zugehörigkeit evangelischer Eliten zur Kirche neu betonen und die Offenheit verschiedener kirchlicher Milieus füreinander fördern. Der frühere EKD-Ratsvorsitzende, Altbischof Wolfgang Huber (Berlin) – er war Mitglied der Arbeitsgruppe –, hält es für erforderlich, begabte junge Menschen verstärkt für kirchliche Berufe zu interessieren. Wichtig sei auch die Qualifizierung von Mitarbeitern, die Leitungsverantwortung übernehmen wollen. Das Papier habe sein Ziel dann erreicht, wenn es eine kirchliche Auseinandersetzung mit dem Begriff „Elite“ in Gang bringe, einen stärkeren Kontakt der Kirche zu gesellschaftlichen Eliten anrege und den Umgang mit den eigenen Eliten in der Kirche eröffne.