21. Oktober 2017

Der Trend geht zur Feuerbestattung

Quelle: idea.de

Immer mehr Menschen möchten in einem Urnengrab beigesetzt werden.

Immer mehr Menschen möchten in einem Urnengrab beigesetzt werden.

Bielefeld (idea) – Immer mehr Menschen möchten in einem Urnengrab beigesetzt werden, weil es weniger pflegeintensiv ist und Kosten spart.
 

Diese Entwicklung beschrieb der Juristische Referent der Evangelischen Kirche von Westfalen, Michael Jacob (Bielefeld), auf einer Fachtagung über das aktuelle Friedhofs- und Bestattungsrecht am 23. März in Bielefeld. „Seit etwa 15 Jahren geht der Trend zu Feuerbestattungen. Heute sind wir in Westfalen bei 40 Prozent. Das kann auch mit wachsender Armut zusammenhängen, doch allgemein hat das Gedenken an die Verstorbenen nicht mehr den Stellenwert wie früher. Viele Menschen sind deshalb heute nicht mehr bereit, viel Geld für ein Grab auszugeben“, erläuterte Jacob gegenüber idea. Die Nachfrage nach Reihen- oder Wahlgräbern sei dagegen deutlich zurückgegangen. Die wirtschaftliche Situation der Friedhöfe habe sich verschlechtert. „Der Markt ist pluraler geworden. Der evangelische Friedhof muss mit anderen Anbietern konkurrieren und daher auch die Gebühren genauer kalkulieren.“ Jacob zufolge kann es keine privaten Friedhofsträger geben, da dafür ausschließlich Kommunen in Frage kämen und Religionsgemeinschaften, die Körperschaften öffentlichen Rechts sind. Eine Privatisierung der Dienstleistungen auf evangelischen Friedhöfen sei für die Kirche unter engen Voraussetzungen aber möglich.

Trauerhallen weniger ausgebucht

Mit Sorge betrachtet Jacob auch den Zustand der Trauerhallen: „Die Hallen werden heute nicht mehr so häufig gebucht wie früher. Selbstkritisch müssen wir anmerken, dass sie oft auch kein gutes Bild abgeben und dringend der Renovierung bedürfen.“ Besorgniserregend sei auch, dass die Angehörigen zuerst mit dem Bestatter Kontakt aufnähmen und nicht mit dem Pfarrer. Jacob: „Die Unternehmen sind häufig gut aufgestellt. Die Kirchengemeinden sollten sich immer mit den Bestattern abstimmen, um Konflikte zu vermeiden.“

Begräbnisse von Muslimen auf evangelischen Friedhöfen möglich

Laut Jacob sind Begräbnisse von Muslimen auf evangelischen Friedhöfen prinzipiell möglich. Auf zwei Friedhöfen in Westfalen entstünden bereits separate Gräberfelder. Allerdings seien die im Islam oft vorgeschriebenen sarglosen Bestattungen aus hygienischen Gründen nicht erlaubt. Auch könne den Muslimen kein „ewiges Ruherecht“ gegeben werden, sondern nur eine Wahlgrabstätte, die verlängert werden könne.