18. November 2017

EKD-Chef vergleicht Karneval mit Weinwunder Jesu

Foto: Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de

Foto: Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de

Was ist nur aus der Evangelischen Kirche in Deutschland geworden?
 

Wie ausgefranzte Waschlappen hängen die protestantischen Landeskirchen auf der langen Leine der Beliebigkeit und Freizügigkeit. Die Farben des sola scriptura (allein durch die Schrift), solus Christus (allein Christus), sola gratia (allein durch die Gnade) und sola fide (allein durch den Glauben) sind vom Zeitgeist fast bis zur Unkenntlichkeit verwaschen.

Gelehrt wird, was gefällt, was passt und mit dem Leben der Menschen im 21. Jahrhundert nicht kollodiert. Wie kann heute noch geglaubt werden, dass Jesus wirklich von einer Jungfrau geboren wurde. Wer glaubt noch an die Wahrheit der biblischen Wundergeschichten. Wie kann gelebte Homosexualität Sünde sein. Man müsse doch auch homosexuellen Pfarrern die Möglichkeit geben, im Pfarrhaus zusammen zu leben. Und nach dem Tod kommen doch ohnehin alle getauften Menschen in den Himmel.

Und da es nach Ansicht von Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kein „elftes Gebot“ gebe, das da laute „Du sollst nicht Karneval feiern“, müssten Protestanten dem Karneval nicht unbedingt fernbleiben. Im Magazin chrismon schreibt der EKD-Chef, dass doch Jesus selbst mit seinem ersten Wunder das Feiern und Genießen gefördert und den Wunsch der Hochzeitsgesellschaft nach mehr Wein erfüllt hätte. Guter Wein in Fülle sei in dieser Geschichte „ein Zeichen für das mit Jesus angebrochene Gottesreich“ und „nicht die Forderung nach nüchterner Enthaltsamkeit“.

Auch wenn der Kirchenführer „persönlich zu vielen Erscheinungsformen des karnevalistischen Treibens eine innere Distanz“ verspüre, sieht er dennoch im Karneval eine „Zeit, um dem Alltag den Spiegel vorzuhalten…, oder einfach: Spaß an der Freude zu haben“. Den evangelischen Christen empfiehlt der Präses:

„Um Gottes und um unserer Seligkeit willen brauchen wir Protestanten dem Karneval nicht entsagen.“

Soll wieder einmal der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden? „Ist das noch deine Kirche?“, frage ich den Herrn der Kirche. Das Erbe der Reformation ist bis zur Unkenntlichkeit verkommen. Nur einer kann die ausgefranzten Waschlappen von der Leine nehmen und durch Neue ersetzen: Gott selbst. (Thomas Schneider)

Hinweis in eigener Sache: Es handelt sich um einen privaten Kommentar des Kommunalpolitikers Thomas Schneider und nicht um einen Kommentar von idea.