19. November 2017

Ägypten: Sorge um Zukunft der Christen

Quelle: idea.de

Der Präsident des US-Zweigs des Hilfswerks Open Doors, Carl Moeller. Foto: PR

Der Präsident des US-Zweigs des Hilfswerks Open Doors, Carl Moeller. Foto: PR

Kairo/Berlin (idea) – In die hoffnungsvolle Stimmung nach dem Volksaufstand in Ägypten mischen sich skeptische Stimmen. Sie befürchten eine fortgesetzte oder noch härtere Diskriminierung der christlichen Minderheit.
 

In einem Brief an den Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian (Höxter), verleiht der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge (Berlin) seiner Sorge Ausdruck. Es stelle sich die Frage, ob die Christen in Ägypten darauf vertrauen könnten, dass in der Verfassung die Religionsfreiheit verankert und die Menschenrechte aller Bürger geschützt werde. Dröge würdigt die wochenlangen Demonstrationen Hunderttausender. In einer „friedlichen Revolution“ sei es ihnen gelungen, „das Joch der Unterdrückung abzuschütteln“ und „die Hoffnung auf mehr Demokratie und Gerechtigkeit umzusetzen“. In die Hoffnung und die Freude mische sich aber auch Skepsis. Unter den elf Mitgliedern des jetzt eingesetzten Komitees für eine Verfassungsreform sei nur ein Christ. „Kann es für die Christen in Ägypten wirkliche Religionsfreiheit geben, solange in Artikel 2 der ägyptischen Verfassung die Scharia als wichtigste Quelle des Rechtes festgeschrieben wird?“ fragt der Bischof. Nach dem Volksaufstand und der Flucht des bisherigen Machthabers Hosni Mubarak hat der Oberste Militärrat für sechs Monate die Macht übernommen, sollte nicht vorher Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattfinden. Die Generäle lösten am 13. Februar das Parlament auf und setzten die Verfassung außer Kraft. Ein Ausschuss erarbeitet Vorschläge für Verfassungsänderungen, über die das Volk binnen zwei Monaten abstimmen soll.

Wenn jetzt gewählt würde …

Ähnlich besorgt wie Bischof Dröge äußert sich der Präsident des US-Zweigs des Hilfswerks Open Doors, Carl Moeller (Santa Ana/Bundesstaat Kalifornien). Würde jetzt in Ägypten gewählt, wäre es wahrscheinlich, dass islamische Extremisten eine bedeutende, wenn nicht sogar die beherrschende Rolle in einer neuen Regierung spielen würden. Gegenüber dem Informationsdienst Mission Network News (Grand Rapids/Bundesstaat Michigan) verwies Moeller auf aktuelle Umfrageergebnisse des Forschungsinstituts Pew (Washington). Danach befürworten 84 Prozent der ägyptischen Muslime die Todesstrafe für den Religionswechsel von Muslimen. Damit befinden sie sich in Übereinstimmung mit dem islamischen Religionsgesetz, der Scharia. 95 Prozent der Muslime halten es für gut, wenn der Islam eine größere Rolle in der Politik spielt. Ein bedeutender Machtfaktor sind die rund 600.000 radikal-islamischen Muslim-Brüder. Wie Moeller hervorhob, sei das Gebet für Ägypten, insbesondere für die christliche Minderheit, das wichtigste, was Christen in der Übergangszeit für das Land am Nil tun können. Von den rund 83 Millionen Einwohnern sind 87 Prozent Muslime und zehn Prozent orthodoxe Kopten. Außerdem gibt es kleinere Gruppen von Katholiken und Protestanten.