21. September 2017

Neue Sehnsucht nach Religiosität in der Kunst

Quelle: idea.de

Kunstmagazin „art“: Museen sind zu Meditationsstätten geworden. Foto: PR

Kunstmagazin „art“: Museen sind zu Meditationsstätten geworden. Foto: PR

Hamburg (idea) – Die zeitgenössische Kunst hat die Religiosität wiederentdeckt. Es gebe einen „neuen Hang zum Heiligen“, berichtet das Kunstmagazin „art“ (Hamburg) in der Titelgeschichte seiner Februar-Ausgabe.
 

Unter der Überschrift „Christus wird heute in Hollywood gekreuzigt“ weist die Zeitschrift auf Exponate, Skulpturen und Filme mit religiösen Bezügen hin. So sei das Kino heute ein Raum der Magie, „in dem wir bereit sind, alles Mögliche zu glauben“. Zwar seien die zahlreichen Kunstwerke mit religiösen Bezügen nicht unbedingt Ausdruck einer neuen Gläubigkeit der Künstler, so „art“. Jedoch lasse sich die „Imprägnierung der Kunst mit Religion bis in den Alltag des Kunstbetriebs beobachten“: „Museen haben Kirchen als vornehmste Bauaufgabe der Architektur abgelöst und sind zu ‚Kunsttempeln’ und Meditationsstätten geworden. Viele Besucher erwarten im Museum Erbauung.“ Die Kunst sei heute gegenüber der Religion autonom geworden. Sie wolle sich nicht mehr in den Dienst von Glaubensgemeinschaften spannen lassen und keineswegs die 2.000 Jahre alte Tradition fortsetzen, „religiöse Inhalte in die Herzen der Betrachter zu senken“.

Künstler: Rette mich, Herr

Allerdings sei unter Künstlern das Bewusstsein dafür gestiegen, dass „der Konsumrausch zwar manche Migräne dämpft, aber keinen Trost bei Gefahr und Tod bietet“. Als ein Beispiel wird der britische Künstler Damien Hirst angeführt, der – laut „art“ – „in den letzten Jahrzehnten wie kein anderer den Tanz ums Goldene Kalb zelebrierte“. 2010 stellte er jedoch ein Exponat mit Anrufungen aus den Psalmen der Bibel aus: „Conserva me, Domine“ (Rette mich, Herr), „Domine, Deus meus“ (Herr, mein Gott) sowie zehn weitere Bekenntnisse. Dazu kommentiert „art“: „Mit der Demutshaltung der Psalmen erinnerte er daran, dass das Selbstbewusstsein des Homo Faber seine Grenzen hat. Das war ein strategisches Konzept, dass sowohl in unsere aufgeklärte Welt als in die Zeitläufte neuer Gefährdungen passt.“