23. September 2017

Pakistan: „Gefangener des Monats“ auf freiem Fuß

Quelle: idea.de

Munir Masih gegen Kaution freigelassen – Ehefrau noch in Haft. Foto: CLASS

Munir Masih gegen Kaution freigelassen – Ehefrau noch in Haft. Foto: CLASS

Lahore/Frankfurt am Main (idea) – In Pakistan ist ein wegen „Beschmutzung des Koran“ inhaftierter Christ gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden.
 

Munir Masih war am 3. März zusammen mit seiner Frau Ruqqiya Bibi zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main am 3. Dezember unter Berufung auf die pakistanische Menschenrechtsorganisation CLAAS (Lahore) mitteilte, wurde der Mann gegen eine Zahlung von 100.000 pakistanischen Rupien (870 Euro) aus der Haft entlassen. Eine Gerichtsentscheidung über die mögliche Freilassung seiner Frau werde in Kürze erwartet, so CLAAS. Die IGFM und die Evangelische Nachrichtenagentur idea hatten das Ehepaar im April als „Gefangene des Monats“ benannt und zur Unterstützung aufgerufen. Den Eheleuten aus der Provinz Punjab war aufgrund des Blasphemiegesetzes der Prozess gemacht worden, weil sie angeblich den Koran berührt hatten, ohne sich vorher rituell die Hände zu waschen. CLAAS hielt die Christen für unschuldig und legte Berufung beim Obersten Gericht in Lahore ein. Die IGFM fordert die Abschaffung des 1991 eingeführten Gesetzes. Für die Beleidigung des Islam, des Koran oder des Propheten Mohammed kann die Todesstrafe verhängt werden. Ein Todesurteil wurde bisher nicht vollstreckt, doch wurden über 650 Christen wegen eines oft unbegründeten Verdachts angeklagt. In Pakistan ist der Islam Staatsreligion. Von den 173 Millionen Einwohnern sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen. Von den Christen sind etwa zwei Millionen Protestanten, eine Million Katholiken und 600.000 Mitglieder orthodoxer oder unabhängiger Kirchen.