23. August 2017

Schönbohm warnt vor „geistiger Verwahrlosung“

Quelle: idea.de

Der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Jörg Schönbohm (CDU).

Der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Jörg Schönbohm (CDU).

Potsdam (idea) – Vor einer „geistigen Verwahrlosung“ von Kindern und Jugendlichen hat der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Jörg Schönbohm (CDU), gewarnt.
 

Er sprach auf der Tagung „Werteerziehung in der Schule“ am 23. November in Potsdam. Die Veranstaltung wurde organisiert von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, dem katholischen Erzbistum Berlin sowie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Brandenburg. Schönbohm zufolge haben Kinder, die sich selbst überlassen sind und vor dem Fernseher aufwachsen, kaum Zukunftschancen. Man müsse darüber nachdenken, wie man Eltern helfen könne, die die Erziehung ihrer Kinder vernachlässigen. Kritik übte Schönbohm am ehemaligen Koalitionspartner SPD. Bei den Koalitionsverhandlungen im Jahr 1999 habe sich die CDU für den Religionsunterricht eingesetzt, die Sozialdemokraten seien dagegen gewesen. Er habe nicht verstanden, warum sich auf der Seite der SPD der ehemalige Konsistorialpräsident Manfred Stolpe sowie mehrere evangelische Pfarrer gegen den Religionsunterricht und für das Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) eingesetzt hätten.

Asmus: Religion kommt im Unterricht zu kurz

Die Generalsuperintendentin des Sprengels Potsdam, Heilgard Asmus, kritisierte, dass im Unterrichtsfach LER die Religion zu kurz komme. Laut Lehrplan könne Religion in diesem Fach vorkommen, müsse es aber nicht. Der Theologe und Philosoph Prof. Richard Schröder (Berlin) erinnerte an die Erziehung in der DDR. Dort sei zum „unversöhnlichem Hass auf den Klassenfeind“ aufgefordert worden. Zudem habe die andauernde Einforderung von politischen Bekenntnissen zur Unehrlichkeit und zur „Verlotterung von persönlichen Überzeugungen“ geführt. Wenn Kinder bei ihren Eltern einen Widerspruch zwischen Wort und Tat erlebten, sei dies ein „Attentat auf die psychische Gesundheit“ der Kinder. Allerdings halte er auch den inflationären Gebrauch des Wortes „Demokratie“ für nicht hilfreich, so Schröder. Für die Demokratie prägend sei das Mehrheitsprinzip. Es sei aber absurd, dieses Prinzip in jeder Lebenssituation zu vertreten. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge (Berlin), sagte in einem Grußwort, mit dem Evangelium biete die Kirche Gegengewichte zur Beschleunigung und Ökonomisierung der Gesellschaft. Sonntage und Feste im Kirchenjahr trügen dazu bei, das Leben zu entschleunigen.