19. Oktober 2017

Bayern: Streit um Homo-Partner im Pfarrhaus

Quelle: idea.de

Kritik in der Landessynode an Bischof und Landeskirchenrat. Foto: PR

Kritik in der Landessynode an Bischof und Landeskirchenrat. Foto: PR

Neu-Ulm (idea) – Der Beschluss des bayerischen Landeskirchenrats, gleichgeschlechtlichen Partnern das Zusammenleben im Pfarrhaus zu gestatten, ist in der Landessynode auf zum Teil heftige Kritik gestoßen. Es gab aber auch Zustimmung.
 

Landesbischof Johannes Friedrich (München) hatte am 15. November vor Journalisten mitgeteilt, dass es eine entsprechende Regelung bereits seit Juli gebe. Anlass waren Eingaben von zwei Münchner Dekanatssynoden an die Landessynode, schwulen und lesbischen Theologen mit eingetragener Lebenspartnerschaft das gemeinsame Wohnen im Pfarrhaus zu erlauben. In der Aussprache über den Bischofsbericht, den Friedrich der vom 21. bis 25. November in Neu-Ulm tagenden Synode erstattete, wurde das Vorgehen des Landeskirchenrats als Brüskierung der Synode bezeichnet. Der Journalist und Sprecher des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern, Hans-Joachim Vieweger (München), erinnerte daran, dass die Synode die Beschäftigung mit den Münchner Eingaben wegen der Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds im Juli in Stuttgart verschoben habe. Dass der Landeskirchenrat in der Zwischenzeit einen Beschluss fasse, sei nicht zu erwarten gewesen, zumal der Weltbund dringend vor Entscheidungen gewarnt habe, die die kirchliche Gemeinschaft belasteten. Auch der zum linken Synodenflügel zählende Pfarrer Karl Eberlein (Roth bei Nürnberg) vermisste das Bemühen um Einmütigkeit, um einen von allen kirchenleitenden Gremien getragenen Beschluss herbeizuführen.

Bibeltreue Kreise nicht vor den Kopf stoßen

Andere Synodale berichteten, dass der Beschluss des Landeskirchenrats in einigen Gemeinden große Unruhe ausgelöst habe. Nach Angaben von Dekan Hans Stiegler (Ansbach) gibt es „heftige Erschütterungen quer durch alle kirchlichen Gruppierungen“. Kritikern des Landeskirchenrats werde vorgeworfen, Homosexuelle zu diskriminieren. Der Chemiker Ulrich Hornfeck (Naila bei Hof) wandte sich dagegen, dass Christen, die die Bibel ernst nehmen, als Außenseiter betrachtet würden. Der Vertreter des bayerischen Pietismus in der Synode, Prof. Ewald Büttner (Regenstauf bei Regensburg), mahnte, keine Entscheidungen zu treffen, die bibeltreue Kräfte vor den Kopf stießen. Dagegen äußerte Dekan Michael Bammessel (Nürnberg) Verständnis für die „relativ pragmatische Lösung“ des Landeskirchenrats. Andere Synodale begrüßten ebenfalls den Beschluss des Landeskirchenrats. Diskriminierung und Ausgrenzung widerspreche dem christlichen Verständnis von Menschenwürde, sagte die Bundestagsabgeordnete Christine Scheel (Bündnis 90/Die Grünen).

Bischof verteidigt Vorgehen

Friedrich bekräftigte die Befugnis des Landeskirchenrats, Einzelfallentscheidungen zu treffen. Er akzeptiere es, dass manche Christen in der Bibel eine Ablehnung sämtlicher homosexueller Praktiken erkennen. Seiner Ansicht nach ließen sich die entsprechenden Texte jedoch nicht auf eine gelebte Partnerschaft mit gegenseitiger Verantwortungsübernahme übertragen. Diese Form sei zu biblischen Zeiten unbekannt gewesen. Über den Umgang mit den Münchner Eingaben wird das Kirchenparlament voraussichtlich am 25. November entscheiden.