21. November 2017

„Wenn Gott etwas in die Hand nimmt“

Quelle: idea.de

50 Jahre Bibelschule Burgstädt: Gegründet im Unrechtsstaat DDR.

50 Jahre Bibelschule Burgstädt: Gegründet im Unrechtsstaat DDR.

Burgstädt (idea) – Die Bibelschule Burgstädt bei Chemnitz in Sachsen ist 50 Jahre alt geworden. Rund 300 Besucher begingen das Jubiläum mit einem Fest am 17. Oktober. An der evangelikalen Ausbildungsstätte – einer Einrichtung der Brüderbewegung – werden ehrenamtliche Gemeindemitarbeiter geschult.
 

In seinem Festvortrag zum Thema „Biblische Werte in einer pluralistischen Welt“ betonte der Theologe und Soziologe Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn) die Notwendigkeit eines regelmäßigen Bibelstudiums für Christen. Nur dann sei man gewappnet, von den Veränderungen in der Gesellschaft im Glauben nicht angefochten zu werden. Der Publizist und Bibellehrer Karl-Heinz Vanheiden (Gefell/Vogtland) nannte es „höchst erstaunlich, dass diese Bibelschule vor 50 Jahren in einem atheistischen Staat gegründet werden konnte, der heute von der offiziellen Politik ein ‚Unrechtsstaat’ genannt wird“. Ein Blick in die Geschichte zeige: „Wenn Gott etwas in die Hand nimmt, dann wird etwas daraus.“

Dreimonatiger Herbstkurs ausgebucht

Die Gründung der Bibelschule hängt eng zusammen mit der deutsch-deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. 1959 gründete der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR (Baptisten-, Brüder- und Elimgemeinden) in Buckow bei Berlin ein Theologisches Seminar. Wegen der deutschen Teilung konnten Theologiestudenten aus dem Osten nicht länger an der Hamburger Ausbildungsstätte der Freikirche studieren. Die Verantwortlichen in den Brüdergemeinden in der DDR wollten daraufhin eine eigene Ausbildungsstätte für ehrenamtlich tätige Mitarbeiter in Verkündigung und Seelsorge gründen. Brüdergemeinden verzichteten traditionell auf die Berufung hauptamtlicher Mitarbeiter. 1960 nahm die Bibelschule Burgstädt ihren Betrieb auf – mit 15 Teilnehmern, die einen zweimonatigen Bibelkurs absolvierten. Von 1973 bis 1991 wurden einjährige Kurse angeboten. Insgesamt 436 Teilnehmer aus freikirchlichen und landeskirchlichen Gemeinden durchliefen die Ausbildung. Anschließend ruhte wegen schwindender Nachfrage drei Jahre lang der Unterrichtsbetrieb. Ab 1994 gab es einen Neustart mit einem Dreimonatskurs im Herbst. Auf dem Programm stehen auch missionarische Einsätze und ein Mentorenprogramm, bei dem die Kursteilnehmer von erfahrenen Gemeindemitarbeitern begleitet werden. Darüber hinaus bietet die Bibelschule nach den Worten ihres seit 1999 tätigen „Hausvaters“ Thomas Riedel eigene Wochenendseminare an, unter anderem für Mitarbeiter in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit. Wie Riedel beim Jubiläum berichtete, leide die Bibelschule unter Platzmangel. Mit 16 Teilnehmern sei der Dreimonatskurs ausgebucht. Deshalb gebe es Pläne für eine Erweiterung. Träger der Bibelschule ist ein Verein unter dem Vorsitz von Andreas Ebert (Kirchberg bei Zwickau), der auch als Leiter der Bibelschule amtiert.