21. November 2017

PID-Abstimmung: Viele Parlamentarier sind unschlüssig

Quelle: idea.de

Die Parteien streiten darüber, ob eine Entscheidung über die PID noch in diesem Jahr zustande kommen soll. Foto: Deutscher Bundestag/Achim Lichtblick

Die Parteien streiten darüber, ob eine Entscheidung über die PID noch in diesem Jahr zustande kommen soll. Foto: Deutscher Bundestag/Achim Lichtblick

Berlin (idea) – Nach der Entscheidung der Fraktionsspitzen von CDU und FDP im Bundestag, die Abstimmung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) freizugeben und noch in diesem Jahr eine Regelung zu finden, hat die Debatte in dieser ethischen Frage wieder an Fahrt gewonnen.
 

Mit der PID werden künstlich befruchtete Eizellen auf eventuelle genetische Defekte untersucht, bevor sie einer Frau eingepflanzt werden. Als krank angesehene Embryonen werden getötet. Der Sprecher der Gruppe Christen in der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, spricht von einer Gewissensentscheidung. Er plädiert dafür, das Thema mit „hoher ethischer Sensibilität“ anzugehen. Viele Abgeordnete seien „noch auf der Suche nach dem richtigen Weg, sortieren die Fakten und sind noch am Anfang ihrer Entscheidungsfindung“. Meinhardt hält die Meinung des amtierenden EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), in dieser Frage für eine Position, „hinter der sich viele Abgeordnete wiederfinden können“. Schneider hatte sich dafür ausgesprochen, die PID unter eng gefassten Bedingungen zuzulassen. Die Tests sollten nur dann erlaubt sein, wenn die Eltern die Anlage zu schwersten Erbkrankheiten in sich tragen und sie fürchten, dass diese auch auf das Kind übertragen werden. Laut Meinhardt könnte ein Gruppenantrag im Bundestag in diese Richtung zielen. Allerdings gehen die Meinungen in den Kirchen über PID auseinander. So lehnt der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich (München), diese Methode ebenso ab wie die katholische Deutsche Bischofskonferenz.

PID „kein Garantiecheck für gesundes Kind“

Nach Ansicht des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), stehen bei dieser Entscheidung Grundfragen des Lebensschutzes zur Diskussion. Wenn eine PID zu der Entscheidung führe, Embryonen nicht für eine künstliche Befruchtung zu verwenden, sei deren Tötung die zwangsläufige Folge, sagte der Politiker gegenüber idea. Kein Befürworter dieser Diagnosemethode habe ihm bisher sagen können, ab welchem Grad von Gesundheitsstörung ein Embryo nicht eingepflanzt werden solle. Die PID sei zudem „kein Garantiecheck für ein gesundes Kind“. Hüppe ist auch stellvertretender Bundesvorsitzender der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL). Nach seinen Worten zeigen Erfahrungen aus anderen Ländern, dass es selbst nach einer PID zu Abtreibungen komme. Manchen Befürwortern der PID gehe es um eine „Erweiterung des Geschäftsfeldes der Reproduktionsmedizin“. Die CDL tritt für ein Verbot der PID ein – ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

SPD-Experte gegen schnelle Entscheidung

Widerstand gegen eine Entscheidung über die PID noch in diesem Jahr kommt aus der SPD. „Der Bundestag hat sich in der Vergangenheit immer zeit genommen, ethische Entscheidungen auf einer vernünftigen Grundlage zu treffen. Dies wäre angesichts der extremen Kürze bei der PID nicht möglich“, sagte der Bioethiker René Röspel gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Auch Bündnis 90/Die Grünen stehen den kurzfristigen Plänen der Regierung skeptisch gegenüber.