22. November 2017

Kommentar: Dieser Kongress lehrt Demut

Quelle: idea.de

Halbzeit beim 3. Lausanner Kongress für Weltevangelisation, der noch bis 24. Oktober im südafrikanischen Kapstadt tagt. Eine Zwischenbilanz zieht vor Ort idea-Redakteur Matthias Pankau.
 

Das internationale Treffen der missionarisch Engagierten steht klar in der Tradition der beiden Vorgängerkongresse von Lausanne (Schweiz) 1974 und Manila (Philippinen) 1989. Im Zentrum steht auch in Kapstadt die unbedingte Notwendigkeit von Mission und Evangelisation. Andere Herausforderungen wie Umweltprobleme, Armut oder Aids werden zwar auch angesprochen, aber im Kern geht es immer um die eine Frage: Wie kann die Botschaft von Jesus Christus allen Menschen zugänglich gemacht werden? Vor allem Kongressteilnehmer aus der westlichen Welt, also aus Europa und Nordamerika, dürften die Tage in Kapstadt nachdenklich stimmen, haben sich viele von ihnen doch in einer Art Wohlfühlchristentum eingerichtet. Zuhause fällt das nicht so auf. Doch in welch einer Oase Christen in Deutschland etwa leben, wird erst klar, wenn man die Berichte von Teilnehmern und Referenten aus anderen Teilen der Welt hört.

In Nordkorea Christus bezeugen

Da ist beispielsweise der anglikanische Erzbischof aus Nigeria, der erzählt, wie ein muslimischer Mob mehrfach versuchte, ihn wegen seines Glaubens zu töten. Seine Frau wurde so zusammengeschlagen, dass sie erblindete. Und doch bekennt er freimütig: „So lange ich lebe, habe ich einen Auftrag: Die Botschaft von Jesus Christus weiterzusagen.“ Oder die 18-Jährige, die aus einer gut situierten nordkoreanischen Familie stammt. Ihr Vater war Mitarbeiter im Stab von Diktator Kim Jong Il. Doch dann fiel er in Ungnade. Die Familie flüchtete nach China. Dort wurde zunächst der Vater Christ, dann auch die anderen Familienmitglieder. Begeistert von der befreienden Botschaft des Evangeliums kehrte der Vater nach Nordkorea zurück, um anderen davon zu erzählen. Er wurde verraten. Seit 2006 hat die Tochter nichts mehr von ihm gehört. Dennoch möchte auch sie nach ihrem Politik- und Diplomatie-Studium in das kommunistisch regierte Land zurückkehren, um Jesus Christus in ihrem Umfeld zu bezeugen, bekennt sie unter Tränen.

Was kostet mich mein Glaube?

Wohl jeder in der Halle spürt: Diese Menschen kostet ihr Bekenntnis zu Jesus Christus und der Wunsch, seine befreiende Botschaft weiterzugeben, etwas. Und sie halten daran fest. Unweigerlich stellt sich die Frage: Was kostet mich mein Glaube eigentlich? Wer in der DDR aufgewachsen ist, kann vielleicht das eine oder andere Opfer nennen, das er bringen musste – damals. Doch heute? Von „außen“ schlägt Christen in Deutschland schlimmstenfalls Desinteresse entgegen. Und innerkirchliche Debatten wie die, ob sich bibeltreue Christen evangelikal nennen sollten oder nicht, wirken angesichts der Situation von Christen in anderen Teilen der Welt und der Herausforderungen, vor denen die Weltchristenheit steht, geradezu beschämend. Dieser Kongress lehrt vor allem eines: Demut!