20. September 2017

Kontroverse um Glaubenskurs „Alpha“

Quelle: idea.de

Kontroverse um Alpha-Glaubenskurs

Kontroverse um Alpha-Glaubenskurs

Stuttgart (idea) – In der württembergischen Landeskirche ist es zu einer Kontroverse um den Glaubenskurs „Alpha“ gekommen.
 

Anlass ist das Bemühen einer Initiativgruppe um den Evangelisten des Amts für Missionarische Dienste, Pfarrer Johannes Eißler (Stuttgart), mehr Gemeinden zur Durchführung des Kurses zu ermutigen. Zielgruppe sind vor allem Menschen, die bisher eher am Rande oder außerhalb von Kirchengemeinden stehen. Dazu wollen 120 landes- und freikirchliche sowie katholische Gemeinden in Baden-Württemberg am 24. September „Alpha-Partys“ durchführen. Eingeladen wird unter anderem durch Zeitungswerbung, Großplakate und Videos auf Bildschirmen in einigen Bahnhöfen. Die Schirmherrschaft haben der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz (Rottenburg) und die evangelischen Synodalpräsidentinnen Christel Hausding (Württemberg) und Margit Fleckenstein (Baden) übernommen.

Pfarrerin und Studienrätin kritisiert

Hingegen kritisiert die Pfarrerin und Studienrätin Käthe Lang (Heidenheim) die landeskirchliche Unterstützung von Kursen, „die fundamentalistisch und charismatisch geprägt zu sein scheinen“. Dies begründet sie in der Stuttgarter Pfarrerzeitschrift „A+B“ damit, dass es auf der Internetseite der Alpha-Kurse einen Hinweis auf die missionarische Organisation „Jugend für Christus“ gibt, zu deren Glaubensgrundsätzen die Notwendigkeit einer geistlichen Wiedergeburt gehöre. Offensichtlich werde ein individuelles Bekehrungserlebnis erwartet, anstatt die Taufe als Heilsgeschehen anzuerkennen. Dazu Frau Lang: „Ich wünsche mir eine Landeskirche, unter deren Dach auch Christen zu Hause sind, die kein fundamentalistisches Bibelverständnis haben und nicht fordern, dass ein Christ ein biografisch datierbares Erleben des Geistes vorweisen müsse.“

Kirche für vielfältiges Angebot an Glaubenskursen

Die Kritik weisen der Leiter des Theologischen Referates in der Kirchenleitung, Kirchenrat Frank Zeeb, und der Leiter des Amtes für Missionarische Dienste, Pfarrer Werner Schmückle (beide Stuttgart), in derselben Zeitschrift zurück. Laut Zeeb schätzt die Landeskirche das vielfältige Angebot an Glaubenskursen. Nur so könne man unterschiedliche Zielgruppen erreichen. Kein Kurs werde offiziell gefördert. Jede Gemeinde solle entscheiden, welches Angebot ihrer theologischen Situation am besten entspreche. Nach Angaben Schmückles ist der Alpha-Kurs zwar von charismatischer Frömmigkeit geprägt, klammere aber die Frage nach der Taufe aus. Außerdem könnten Kursleitungen die Schwerpunkte der Gesprächsabende selbst bestimmen. Der badische Landesbischof Ulrich Fischer (Karlsruhe) wünscht den Alpha-Kursen eine weite Verbreitung. Als „Sprachschule des Glaubens“ könnten sie eine große Hilfe sein, kirchenferne Menschen mit den Grundinhalten christlichen Glaubens bekannt zu machen.

45.000 Gemeinden bieten den Kurs an

Der vor rund 30 Jahren in England entwickelte und ab 1990 von Pfarrer Nicky Gumbel (London) international verbreitete Alpha-Kurs ist eine der weltweit erfolgreichsten Seminarreihen, um den christlichen Glauben unter kirchenfernen Menschen bekannt zu machen. Er wird in etwa 45.000 anglikanischen, katholischen, reformierten, lutherischen, baptistischen und charismatischen Gemeinden in über 160 Ländern durchgeführt, überwiegend im englischen Sprachraum. Bisher wurden etwa 14 Millionen Menschen erreicht. Das Material wurde in 70 Sprachen übersetzt. In Deutschland beteiligen sich zur Zeit 1.500 Gemeinden, in der Schweiz 700 und in Österreich 130.