24. September 2017

Jugendliche haben ihr „erstes Mal“ später

Quelle: idea.de

Die Direktorin der Bundeszentrale, Prof. Elisabeth Pott. Foto: BzgA

Die Direktorin der Bundeszentrale, Prof. Elisabeth Pott. Foto: BzgA

Berlin (idea) – 14- bis 17-jährige Jugendliche werden heute später sexuell aktiv als Gleichaltrige vor fünf Jahren. Das geht aus einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervor, die am 2. September in Berlin vorgestellt wurde.
 

Demnach sank der Anteil bei den 14-jährigen Mädchen mit ersten sexuellen Erfahrungen gegenüber einer Umfrage von 2005 von zwölf auf sieben Prozent, bei den gleichaltrigen Jungen von zehn auf vier Prozent. Bei den 17-jährigen Mädchen reduzierte sich der Anteil, die ihr „erstes Mal“ hinter sich haben, von 73 auf 66 Prozent. Bei den gleichaltrigen Jungen blieb er mit 65 Prozent nahezu konstant. „Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht“, sagte die Direktorin der Bundeszentrale, Prof. Elisabeth Pott. „Die aktuelle Repräsentativerhebung zeigt, dass seit Mitte der neunziger Jahre die sexuelle Aktivität Jugendlicher fast unverändert und jetzt sogar rückläufig ist.“ Allerdings seien Jungen aus Einwandererfamilien früher und häufiger sexuell aktiv als deutsche Jungen. Mädchen ausländischer Herkunft seien deutlich zurückhaltender und begründeten das damit, zu jung zu sein. Vor allem muslimische Mädchen, insbesondere türkische, lebten meist sexuell enthaltsam. Sie hielten einen intimen Kontakt vor der Ehe für falsch.

Jugendliche verhüten mehr

Laut der Studie verwenden beim ersten Geschlechtsverkehr mehr Jugendliche Verhütungsmittel als in den Jahren zuvor. Lediglich acht Prozent der 14- bis 17-Jährigen geben an, keinen Schutz wie Pille oder Kondom benutzt zu haben. 1980 lag dieser Anteil bei 20 Prozent bei den Mädchen und 29 Prozent bei den Jungen. 69 Prozent der deutschen Mädchen und 58 Prozent der deutschen Jungen sprechen heute ausführlich mit ihren Eltern über das Thema Verhütung. Das war vor 30 Jahren noch anders: Nur etwas mehr als ein Drittel der Mädchen und nur jeder vierte Junge sprach damals darüber mit seinen Eltern. Eine ähnliche Situation gilt heute für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Lediglich die Hälfte der Mädchen und nur 41 Prozent der Jungen aus Einwandererfamilien erhalten Ratschläge zur Verhütung im Elternhaus. Bei der Wissensvermittlung rund um die Themen Liebe, Sexualität und Verhütung wird die Schule immer bedeutender. Für Jungen ausländischer Herkunft ist sie sogar der wichtigste Ort der Aufklärung. Für die neue Studie „Jugendsexualität 2010“ wurden 3.542 Jugendliche befragt, darunter 1.014 mit Migrationshintergrund.