11. Dezember 2017

Freie evangelische Gemeinden: Weg frei für Pastorinnen

Quelle: idea.de

Ansgar Hörsting: Gemeinsamkeit in der Freikirche trotz unterschiedlicher Erkenntnisse wahren.

Ansgar Hörsting: Gemeinsamkeit in der Freikirche trotz unterschiedlicher Erkenntnisse wahren.

Dietzhölztal (idea) – Eine weitere Freikirche hat den Weg für Frauen im Pastorendienst frei gemacht.
 

Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Gemeindedelegierten und Pastoren der Freien evangelischen Gemeinden (FeG) auf ihrem jährlichen „Bundestag“ am 18. September im Kronberg-Forum (Dietzhölztal-Ewersbach/Mittelhessen) für einen entsprechenden Antrag der Bundesleitung. Er überlässt es den Gemeinden, ob sie entsprechend qualifizierte Frauen als Pastorinnen anstellen. Der Antrag erhielt 437 von 573 abgegebenen gültigen Stimmen und übertraf mit 76,3 Prozent deutlich die erforderliche Zweidrittelmehrheit. 124 Delegierte (21,6 Prozent) votierten für einen Gegenantrag von fünf Pastoren, die die bestehende Regelung, dass nur Männer Pastoren sein können, erhalten wollten. Zwölf Vertreter (2,1 Prozent) enthielten sich. Bei einer Abstimmung im Jahr 2008 war die Zwei-Drittelmehrheit für die Einführung von Pastorinnen mit 64 Prozent knapp verfehlt worden. Seit 2005 hat sich der FeG-Bundestag mit diesem Thema befasst. Die Freikirche zählt 38.400 Mitglieder in 454 Gemeinden. Unter den Freikirchen halten nur noch die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), die Siebenten-Tags-Adventisten, Brüdergemeinden und russlanddeutsche Gemeinden daran fest, dass Pastoren Männer sein müssen. Andere lassen auch weibliche Geistliche zu wie der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten), die Evangelisch-methodistische Kirche, die Heilsarmee, die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden, der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden und die Altkatholische Kirche.

Mit verschiedenen Erkenntnissen leben

Nach dem Beschluss des FeG-Bundestags warb Präses Ansgar Hörsting (Witten) erneut darum, die Gemeinsamkeit in der Freikirche trotz unterschiedlicher Erkenntnisse zu wahren. Niemand dürfe sich als Sieger oder Verlierer fühlen. Vielmehr solle man in Demut miteinander umgehen und „das Reich Gottes suchen“. In der Erläuterung des Antrags der Bundesleitung sagte er, in dem seit zehn Jahren anhaltenden Meinungsbildungsprozess sei deutlich geworden, dass es bei der Pastorinnenfrage innerhalb der FeG unterschiedliche, auf der Bibel gründende Einschätzungen gebe, auch innerhalb der Bundesleitung. Es komme jetzt darauf an, die Vielfalt der Erkenntnisse zuzulassen.

Warnung vor „Entkernen“ der Bibel

In der Begründung des Gegenantrags erwiderte der Nürnberger Pastor Friedrich Zahn, es sei „unrealistisch“ zu meinen, man könne mit zwei unterschiedlichen biblischen Erkenntnissen in einem Gemeindebund leben. Der Antrag der Bundesleitung missachte die in der Bibel vorgegebene unterschiedliche Beauftragung von Frauen und Männern. Gott habe Männern die Letztverantwortung in Leitung und Lehre übertragen. Im Kern gehe es um die Frage, ob Aussagen der Bibel auch heute gelten oder als kulturbedingt und damit als überholt verstanden werden sollten. Zahn befürchtet ein „sukzessives Entkernen“ der Bibel.

Rektoren verteidigen Pastorinnen

In der Aussprache verteidigten unter anderen der Rektor des Theologischen Seminars Ewersbach der FeG, Michael Schröder, und sein Vorgänger Wilfried Haubeck den Antrag der Bundesleitung. Die Argumente der Befürworter seien ebenfalls biblisch begründet. Der Heidelberger Pastor Fritz Weidemann, der Pastorinnen ablehnt, beklagte, dass man beim Schriftverständnis innerhalb der Freikirche „nicht auf einen Nenner“ komme. Das werde Auswirkungen auch auf andere Gebiete haben, etwa auf sexualethische Fragen.

Gemeinsame Aufgabe: Evangelisation

In seinem Bericht hob Präses Hörsting hervor, dass die FeG vor allem eins eine: Alle wollten evangelisierende Gemeinden sein und die christliche Botschaft den Menschen nahe bringen. Dabei komme es auch darauf an, bedeutsam für die Menschen in der Umgebung zu sein, etwa durch soziales, diakonisches oder politisches Engagement. Der Bund der FeG gehört zu den wachsenden Freikirchen in Deutschland. Beim Bundestag wurden fünf Gemeinden aufgenommen: Altenburg (Thüringen), Brüchermühle (Sauerland), Eching bei München, Renningen bei Stuttgart und Ulm. Im Jahr 2006 hatte sich die Freikirche das Ziel gesetzt, 100 Gemeinden bis 2015 zu gründen. Im Augenblick sind es 40; bis Ende des Jahres könnten es 50 werden, hieß es auf dem Bundestag. Am 26. September endet die über 50-jährige Ära der Zeltmission der FeG mit einem Abschlussgottesdienst in Schwelm. In diesem Jahr war das Missionszelt an zehn Orten aufgeschlagen. Künftig soll der Dienst durch andere evangelistische Angebote ersetzt werden.