19. September 2017

EAK-Landesverband: Sarrazin nicht ausgrenzen

Quelle: idea.de

Michael Bender: Jemand zur unerwünschten Person zu erklären, ist keine Lösung.

Michael Bender: Jemand zur unerwünschten Person zu erklären, ist keine Lösung.

Karlsruhe (idea) – Gegen eine Ausgrenzung des Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin (SPD) hat sich der Evangelische Arbeitskreis (EAK) der baden-württembergischen CDU gewandt.
 

Sarrazin ist umstritten, weil er in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ vor einer Überfremdung warnt und die unzureichende Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln kritisiert. Seine Ansicht, Muslime in Deutschland seien unterdurchschnittlich gebildet, ist in der Politik und in den Kirchen auf Widerspruch gestoßen. Die SPD will Sarrazin ausschließen, und nach dem Willen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll Sarrazin auch von seinem Amt bei der Bundesbank entbunden werden. Dazu erklärt der EAK-Vorsitzende, Rechtsanwalt Michael Bender (Karlsruhe), „der Austausch erregter Gefühle über die Medien“ schade der Debatte über Integrationsprobleme. Jemand zur unerwünschten Person zu erklären und die notwendige Diskussion zu verbieten oder auszusitzen, sei keine Lösung.

Bender: Religion steuert das Alltagsverhalten

Laut Bender ist es unstrittig, dass das Alltagsverhalten der Menschen über Generationen hinweg durch religiöse Einflüsse gesteuert werde. So habe die Benediktinerregel „Bete und arbeite“ bis in die Gegenwart das Arbeitsethos auch von Menschen bestimmt, die sich vom Christentum abgewendet haben. Bender: „Wer das kollektive Alltagsverhalten einer fest umrissenen Menschengruppe aufzeigt, spaltet nicht die Gesellschaft, sondern entlastet den einzelnen.“ Denn niemand trage persönliche Verantwortung dafür, in welcher kulturellen Situation er sein Leben begonnen habe. In der Diskussion um Integrationsprobleme gehe es nicht um die Festlegung von Menschen, sondern um die Beschreibung von Aufgaben, an denen gemeinsam zur arbeiten sei. „Um miteinander gut leben zu können, sollten wir unsere Unterschiede kennen und respektieren“, fordert Bender.