23. Mai 2018

Mehr Kinderbetreuung führt nicht zu mehr Kindern

Quelle: idea.de

Der Publizist und Leiter des Heidelberger Büros für Familie und soziale Sicherheit, Kostas Petropulos: Wirtschaftliche Sicherheit wichtiger als Kinderkrippen. Foto: Privat

Der Publizist und Leiter des Heidelberger Büros für Familie und soziale Sicherheit, Kostas Petropulos: Wirtschaftliche Sicherheit wichtiger als Kinderkrippen. Foto: Privat

Hamburg (idea) – Mit Krippen, Eltern- oder Betreuungsgeld allein lässt sich die Geburtenrate nicht erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt der Publizist und Leiter des Heidelberger Büros für Familie und soziale Sicherheit, Kostas Petropulos, in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ (Hamburg).
 

Seiner Ansicht nach führt eine flächendeckende Ganztagsbetreuung ab dem ersten Lebensjahr nicht dazu, dass in Deutschland wieder mehr Kinder geboren werden. Familien wünschten vielmehr wirtschaftliche Sicherheit, um ihre Zukunft verlässlich gestalten zu können. Diese sei in Ländern mit höheren Geburtsraten wie Frankreich oder Skandinavien eher gewährleistet als in Deutschland. Beispielsweise seien in Schweden rund 75 Prozent aller Frauen im öffentlichen Dienst beschäftigt, wo es außer verbindlichen Tarifverträgen oft die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit gebe. In Deutschland arbeiteten dagegen nur rund 16 Prozent der Frauen im öffentlichen Dienst. In der Privatwirtschaft breiteten sich befristete Arbeitsverträge und Leiharbeit aus, so dass die Planungssicherheit geringer werde. So habe sich von 2001 bis zum ersten Halbjahr 2009 der Anteil der Zeitverträge bei allen Neueinstellungen von 32 auf 47 Prozent erhöht. Hauptbetroffene seien junge Leute und Frauen. Alle einschlägigen Untersuchungen bestätigten, dass vor allem junge Männer die Familiengründung verschieben, bis sie Kinder und Frau ernähren können, so Petropulos. Allerdings habe die Politik die große Bedeutung von Verlässlichkeit und Sicherheit noch nicht erkannt, sondern setze darauf, dass mehr Kinderbetreuung auch mehr Kinder bedeute.

Schlusslicht in Europa

Nach Angaben des europäischen Statistikamts Eurostat in Luxemburg kommen in keinem anderen EU-Land so wenige Kinder zur Welt wie in Deutschland. Pro 1.000 Einwohner wurden im letzten Jahr rechnerisch 7,9 Kinder geboren (2008: 8,3). Die höchsten Geburtenziffern hatten Irland (16,8 Geburten pro 1.000 Einwohner), Großbritannien (12,8) und Frankreich (12,7). Im Durchschnitt aller 27 EU-Länder waren es 10,7. In der Schweiz kamen 10,1 Kinder pro 1.000 Einwohner zur Welt.