19. September 2017

Rheinische Kirche verstärkt Mission

Quelle: idea.de

Düsseldorf (idea) – Mehr Mission im eigenen Land will die Evangelische Kirche im Rheinland treiben. Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf) kündigte am 14. Juli vor Journalisten in Düsseldorf verstärkte missionarische Aktivitäten an.
 

„Es ist uns von Jesus Christus selbst aufgetragen, alles Volk zum Glauben einzuladen“, sagte der 62-jährige Theologe, der auch als EKD-Ratsvorsitzender amtiert. Der 2,8 Millionen Mitglieder zählenden rheinischen Kirche sei es wichtig, missionarisch Volkskirche zu sein. Deswegen beteilige sie sich 2011 am „Jahr der Taufe“, das unter Federführung der westfälischen Kirche vorbereitet werde. Dazu soll es in den 38 rheinischen Kirchenkreisen Tauffeste und Erinnerungsfeiern geben. Schneider: „Wir wollen Menschen dazu einladen, sich und ihre Kinder taufen zu lassen oder sich ihrer eigenen Taufe zu vergewissern.“ Außerdem wolle die rheinische Kirche „Kursen zum Glauben“ stärkeres Augenmerk widmet und in den beiden kommenden Jahren bis zu 200 solcher Kurse anbieten. Details sollen im Herbst veröffentlicht werden. Nach Schneiders Einschätzung sind beides „ehrgeizige“ und „unverzichtbare“ Projekte.

Kraken-Orakel ist ein Scherz

Schneider äußerte sich auch zu dem „Kraken-Orakel“ bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Tintenfisch Paul in Oberhausen hatte acht Ergebnisse richtig vorhergesagt, darunter den Finalsieg Spaniens über die Niederlande. Der Präses, der selbst aktiver Fußballspieler war, hält das Paul-Orakel für nicht bedenklich. Allerdings müsse man sich klar sein, dass es sich um einen Scherz handele. Es sei keine „göttliche Offenbarung“.

Missbrauch: 57 Personen melden sich

Vizepräses Petra Bosse-Huber (Wuppertal) berichtete über Missbrauchsfälle. Nach ihren Angaben haben sich 57 Frauen und Männer in den vergangenen Monaten mit Berichten über erlittene Misshandlungen und sexualisierte Gewalt an die Ansprechpartnerin der rheinischen Kirche, die Juristin Petra Hundhausen-Kelp (Düsseldorf), gewandt. 36 Meldungen beträfen Gemeinden, Schulen und Internate. 13 Berichte bezogen sich auf Erziehungs- und Betreuungseinrichtungen der Diakonie und zwei kirchliche Einrichtungen. In fünf Fällen ging es um andere Landeskirchen, in drei Fällen um die katholische Kirche. Der älteste Fall datiere aus dem Jahr 1948; die jüngeren Fälle aus den achtziger Jahren. Alle seien straf- und disziplinarrechtlich verjährt. Bosse-Huber: „Das macht es für uns als Kirche umso bitterer, weil wir den Opfern mit Blick auf juristische Konsequenzen nicht gerecht werden können. Aber wir bemühen uns, ihren sonstigen Erwartungen gerecht zu werden.“ Etwa 30 bis 40 Prozent der Menschen, die sich gemeldet hätten, habe man auf deren Wunsch weitergehende seelsorgliche bzw. therapeutische Hilfe vermittelt.

Bitte um Verzeihung erneuert

„Im Wissen darum, dass Zeit keineswegs alle Wunden heilt, kann ich unsere Bitte um Verzeihung in Richtung der Opfer nur erneuern“, sagte Bosse-Huber. „Wer sein Amt oder seine Funktion in Kirche und Diakonie und die damit verbundene Macht und Autorität missbraucht hat bzw. missbraucht und Menschen seelische und körperliche Gewalt angetan hat bzw. antut, hat sich weit, weit von Gottes Anspruch an uns entfernt. Diese Form von Gewalt ist und bleibt eine offene Wunde am Leib Christi.“ Präses Schneider erklärte, er könne die Opfer nur um Verzeihung bitten und klar stellen: „Wer – allzumal als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter in Kirche und Diakonie – anderen Menschen seelische oder körperliche Gewalt antut, verstößt gegen Gottes Gebote und pervertiert die gute Nachricht, die wir als Kirche leben und weitersagen wollen.“