19. September 2017

Love-Parade: Großeinsatz für Notfallseelsorge

Quelle: idea.de

Massenpanik mit 19 Toten: Seelsorge unter anhaltender Techno-Musik.

Massenpanik mit 19 Toten: Seelsorge unter anhaltender Techno-Musik.

Duisburg (idea) – Nach der Massenpanik bei der Love-Parade am 24. Juli in Duisburg mit 19 Toten und rund 340 Verletzten waren rund 50 evangelische Notfallseelsorger im Einsatz.
 

Hinzu kamen etwa 50 Betreuer von Polizei und Rettungsdiensten, berichtet die Rheinische Post (Düsseldorf). Nach Angaben des Pressesprechers der Evangelischen Kirche im Rheinland, Jens Peter Iven (Düsseldorf), handelte es sich um einen der größten Einsätze der Notfallseelsorge in Deutschland. Die speziell ausgebildeten Geistlichen kümmern sich um Angehörige der Todesopfer – die meisten zwischen 20 und 40 Jahren – sowie um Verletzte, deren Freunde und um Einsatzkräfte. Die Leitung hatte der Duisburger Notfallseelsorger Richard Bannert und der Landespfarrer für Notfallseelsorge, Joachim Müller-Lange. Ursprünglich war die Notfallseelsorge mit 15 Mitarbeitern vor Ort, um die Party mit nach Schätzungen mehr als einer Million Ravern zu begleiten. Nach dem Unglück wurden weitere Kräfte aus umliegenden Kirchenkreisen nach Duisburg beordert. Ungewöhnlich sei die Betreuung unter Dauerbeschallung der Techno-Musik gewesen. Müller-Lange: „Wir hätten uns gewünscht, dass es auf dem Fest eine vernünftige Ansage über die Katastrophe gäbe.“ Die Organisatoren hätten aber offenbar vermeiden wollen, dass die Mitteilung über das Unglück zu weiterer Panik führe. Viele Raver standen unter Schock; teilweise wurden sie bei der Massenpanik in einem Zugangstunnel über Tote und Verletzte steigen.

Kirchliche Bedenken gegen Love-Parade

Gegen die Massenveranstaltung hatte es schon im Vorfeld kirchliche Bedenken gegeben. Bereits Anfang des Jahres hatte der Evangelische Kirchenkreis Duisburg die Stadt aufgefordert, auf die Durchführung zu verzichten. Das dafür benötigte Geld sollte besser in eine nachhaltige Jugendarbeit fließen, sagte der Duisburger Superintendent, Pfarrer Armin Schneider, am 9. Februar gegenüber idea. Damals rechnete Duisburg mit Kosten von rund 840.000 Euro; in Medienberichten beliefen sich die Schätzungen aber auf bis zu zwei Millionen. Im vergangenen Jahr war das Spektakel in Bochum abgesagt worden; ein Hauptgrund war die mangelnde Kapazität des Hauptbahnhofs. Die Love-Parade wurde zwischen 1989 und 2006 16 Mal in Berlin ausgetragen. 2007 fand sie in Essen mit 1,2 Millionen, 2008 in Dortmund mit 1,6 Millionen Besuchern statt. Nach der Tragödie von Duisburg ist die Zukunft der Love-Parade äußerst ungewiss.