19. November 2017

Zentralasien: Protestanten zunehmend unter Druck

Quelle: idea.de

Islamisch geprägte Regierungen orientieren sich am Iran und Saudi-Arabien. Foto: Wikipedia/Juhan

Islamisch geprägte Regierungen orientieren sich am Iran und Saudi-Arabien. Foto: Wikipedia/Juhan

Moskau (idea) – Die evangelische Minderheit in den zentralasiatischen Staaten der früheren Sowjetunion fühlt sich von den muslimisch geprägten Regierungen immer mehr unterdrückt. Das verlautete auf der Tagung der Euro-Asiatischen Föderation der Evangeliumschristen-Baptisten vor kurzem in Moskau.
 

Die Regierungen in Ländern wie Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan orientierten sich immer stärker an muslimischen Ländern wie Iran oder Saudi Arabien, hieß es. „Moscheen schießen wie Pilze aus dem Boden“, sagte der Präsident des Baptistenbundes von Kirgistan, Genrich Foth. In seinem Land stünden den rund 150 evangelischen Bethäusern (Kirchen) mehr als 3.000 Moscheen gegenüber. „Wir spüren überall den Druck der Muslime“, so Foth. So werde etwa Kirchenleitern in Turkmenistan und Usbekistan keine Ausreise erteilt. Privatwohnungen von Christen stünden unter staatlicher Beobachtung. „Es ist viel schlimmer als zu Sowjetzeiten“, klagte ein Teilnehmer der Konferenz. Auch sei die Einfuhr christlicher Literatur nahezu unmöglich. Bücher würden beim Grenzübertritt beschlagnahmt, sogar Festplatten und elektronische Speichermedien bei Kontrollen gelöscht. Der politische Druck habe dazu geführt, dass die getrennten und zerstrittenen Baptisten in Usbekistan – sie hatten sich in staatlich registrierte und staatlich nicht registrierte Bünde geteilt – zusammengerückt seien. Beide Gruppierungen würden gleichermaßen verfolgt, hieß es. Dem Druck ihrer Regime wollten sich die Baptisten jedoch auf keinen Fall beugen, so Foth. Stattdessen wolle man weiter evangelisieren – „noch mehr als früher“.

Kirgistan: Wenig Hoffnung auf Besserung

Wenig Hoffnung auf bessere Verhältnisse machen sich die Baptisten in Kirgistan nach dem politischen Machtwechsel. Nach blutigen Unruhen hatte Präsident Kurmanbek Bakijew am 7. April seinen Rücktritt erklärt. Doch die neue starke Frau an der Spitze des Landes, Rosa Otunbajewa, habe bisher kein „zündendes Konzept“ vorgelegt, hieß es. Die alten Staatsvertreter hätten vor allem in die eigene Tasche gewirtschaftet. Ob es nun anderes werde, dafür gebe es noch keinen Beweis, so die Baptisten in Moskau. Die Euro-Asiatische Föderation ist nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus dem früheren All-Unionsrat der Evangeliumschristen-Baptisten hervorgegangen. Präsident ist Wjatscheslaw Nesteruk (Kiew/Ukraine).